Was sind Zikaden?
Zikaden (Ordnung Hemiptera, Unterordnung Auchenorrhyncha) sind saugende Insekten, die zur gleichen Ordnung wie Blattläuse und Wanzen gehören. Weltweit sind über 20.000 Arten bekannt, in Mitteleuropa kommen mehrere Hundert Arten vor. Im Garten fallen sie häufig erst dann auf, wenn die Schäden an Pflanzen bereits deutlich sichtbar sind. Anders als Blattläuse sind Zikaden ausgezeichnete Springer und Flieger, was ihre Bekämpfung erschwert. Sie stechen mit ihrem Rüssel in Pflanzengewebe und saugen Zellsaft aus Blättern, Stängeln und Trieben.
Besonders tückisch: Viele Zikadenarten übertragen beim Saugen Pflanzenviren und Phytoplasmen, die zu ernsthaften Erkrankungen führen können. Die direkten Saugschäden sind dabei oft weniger problematisch als die indirekten Folgen durch Krankheitsübertragung.
Zikadenarten im Garten
Im Hausgarten und auf Balkonen begegnen Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern vor allem drei Zikadenarten besonders häufig:
Grüne Zigarrenzikade (Empoasca vitis)
Die Grüne Zigarrenzikade ist etwa 3 mm lang, leuchtend grün gefärbt und an Weinreben, Erdbeeren, Bohnenpflanzen und vielen anderen Gartengewächsen zu finden. Sie überwintert als Imago (erwachsenes Tier) in Nadelbäumen und wandert im Frühjahr auf Nutzpflanzen um. Befallene Blätter zeigen eine charakteristische Verfärbung: Die Blattränder rollen sich ein und werden gelblich bis bräunlich. Dieser Schaden wird als „Hopperburn“ bezeichnet.
Rosenzikade (Edwardsiana rosae)
Die Rosenzikade ist ein häufiger Schädling an Rosen, aber auch an Obstgehölzen wie Apfel, Birne und Kirsche. Die erwachsenen Tiere sind gelblich-weiß und etwa 3–4 mm lang. Charakteristisch sind die weißen, häutigen Häutungsreste (Exuvien), die auf der Blattunterseite haften bleiben und häufig das erste Zeichen eines Befalls sind. Befallene Rosenblätter wirken oberseits gesprenkelt, da die Chlorophyll-führenden Zellen ausgesaugt werden.
Buchsbaumzikade (Psylla buxi)
Streng genommen zählt die Buchsbaumblattfloh-Zikade (Psylla buxi) zu den Blattflöhen, wird aber umgangssprachlich als Zikade bezeichnet. Sie befällt ausschließlich Buchsbäume (Buxus spp.) und verursacht charakteristische löffelartige Einrollungen der Jungtriebe, in denen die weißlich-wachsigen Nymphen sitzen. Befallene Triebe verkümmern, der Buchsbaum wirkt insgesamt ungepflegt.
Schadbild erkennen
Das Schadbild von Zikaden ist vielfältig und wird oft mit anderen Schädlingen oder Mangelerscheinungen verwechselt. Typische Anzeichen sind:
- Blasse, silbrig-weißliche Sprenkelung auf der Blattoberfläche (durch ausgesaugte Zellen)
- Einrollen oder Aufwölben der Blattränder
- Gelblich-braune Verfärbungen, beginnend an den Blatträndern
- Weißliche Häutungsreste (Exuvien) auf der Blattunterseite
- Honigproduktion (bei manchen Arten) mit nachfolgendem Rußtaupilz
- Verkümmerte Triebe und Wuchsdepressionen
- Springende Insekten, die bei Berührung der Pflanze auffliegen
Übertragung von Pflanzenviren und Phytoplasmen
Die größte Gefahr von Zikaden liegt nicht im direkten Saugschaden, sondern in der Übertragung von Krankheitserregern. Zikaden sind wichtige Vektoren (Überträger) von Pflanzenviren und Phytoplasmen – einzellige Bakterien ohne Zellwand, die das Leitungssystem der Pflanzen befallen.
Bekannte durch Zikaden übertragene Krankheiten sind:
- Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) an Weinreben – verursacht durch ein Phytoplasma, übertragen durch die Rebzikade (Scaphoideus titanus)
- Stolbur-Phytoplasma an Tomaten, Paprika und Kartoffeln
- Blattrollen der Kartoffel durch das Kartoffelblattrollvirus
- Aster yellows (Astervergilbung) an Zierpflanzen
Infizierte Pflanzen zeigen Symptome wie Vergilbung, Verkümmern, Blütenvergrünung oder Hexenbesenbildung. Eine chemische Behandlung infizierter Pflanzen ist nicht möglich – befallene Exemplare müssen meist entfernt werden.
Bekämpfung von Zikaden
Die Bekämpfung von Zikaden sollte möglichst frühzeitig und bevorzugt mit biologischen oder mechanischen Methoden erfolgen. Chemische Mittel sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden.
Gelbklebefallen
Gelbtafeln und Gelbklebefallen nutzen den Farbsinn der Zikaden aus: Die meisten Arten werden von Gelb angezogen und bleiben auf der klebrigen Oberfläche haften. Klebefallen eignen sich gut zur Überwachung (Monitoring) des Befallsdrucks und können bei leichtem Befall auch zur Reduktion der Population beitragen. Sie sollten in Kopfhöhe der Pflanzen oder etwas darüber angebracht werden.
Neem (Azadirachtin)
Präparate auf Basis von Neem (Azadirachtin) wirken systemisch und hemmen die Häutung und Reproduktion von Zikadennymphen. Neem ist für den ökologischen Landbau zugelassen und relativ schonend gegenüber Nützlingen, wenn es zum richtigen Zeitpunkt – am besten in den Abendstunden – ausgebracht wird. Es sollte direkt auf die Pflanzen gesprüht werden, wobei die Blattunterseite besonders gründlich benetzt werden muss.
Pyrethrum und Pyrethroide
Pyrethrum ist ein natürliches Insektizid aus den Blüten der Chrysanthemum cinerariaefolium-Pflanze. Es wirkt schnell kontaktwirksam auf Zikaden und andere Insekten. Synthetische Pyrethroide wirken ähnlich, sind aber deutlich persistenter. Beide Wirkstoffe sind wenig selektiv und schädigen auch Nützlinge, besonders Bienen. Sie sollten daher nur abends und niemals während der Blüte eingesetzt werden.
Weitere Maßnahmen
- Abspritzen mit Wasser: Starker Wasserstrahl von unten auf die Blattunterseiten verdrängt Nymphen und Adulte
- Insektizide Seifen (Kaliseife): Wirken kontaktwirksam und sind relativ nützlingsschonend
- Spinosad: Biologisches Insektizid aus Fermentationsprodukten, wirkt gut gegen saugende Insekten
Vorbeugung
Vorbeugung ist bei Zikaden besonders wichtig, da eine Bekämpfung nach Massenvermehrung aufwendig ist. Folgende Maßnahmen senken das Befallsrisiko:
- Kräftige, gesunde Pflanzen durch optimale Standortwahl und bedarfsgerechte Düngung
- Engmaschige Insektenschutznetze (Maschenweite max. 0,8 mm) über gefährdeten Kulturen
- Regelmäßige Kontrolle der Pflanzen, besonders der Blattunterseiten, ab dem Frühjahr
- Entfernen von Unkräutern als Wirtspflanzen und Überwinterungsquartiere
- Verzicht auf übermäßige Stickstoffdüngung (weiche, stickstoffreiche Triebe locken Zikaden an)
- Mischkultur mit aromatischen Kräutern wie Basilikum, Lavendel oder Minze
- Vielfältige Bepflanzung statt Monokulturen
Natürliche Feinde der Zikaden
Zikaden haben zahlreiche natürliche Feinde, deren Förderung ein wichtiger Baustein im integrierten Pflanzenschutz ist:
- Spinnen – zählen zu den wichtigsten Zikaden-Prädatoren
- Laufkäfer – fressen Nymphen und Eier am Boden
- Ohrwürmer – nachtaktive Nützlinge, die Zikaden und deren Eier fressen
- Raubwanzen (z. B. Anthocoris-Arten) – effektive Räuber auf Pflanzen
- Schlupfwespen – parasitieren Zikadeneier
- Meisen, Rotkehlchen und andere Insektenfresser – fressen adulte Zikaden
- Florfliegen und ihre Larven – fressen Nymphen
Nützlinge können durch naturnahe Gartengestaltung, den Verzicht auf Breitbandinsektizide, das Anlegen von Totholzhaufen, Insektenhotels und heimische Blühpflanzen gefördert werden.
Unterschied zu Blattläusen
Zikaden werden im Garten oft mit Blattläusen verwechselt, obwohl sich beide Gruppen deutlich unterscheiden:
- Beweglichkeit: Zikaden springen und fliegen schnell weg, Blattläuse sitzen meist träge in Kolonien
- Größe: Zikaden sind meist 3–10 mm groß und einzeln, Blattläuse 1–3 mm und in Kolonien
- Aussehen: Zikaden haben längliche, keilförmige Körper; Blattläuse sind weich und birnförmig
- Schadbild: Blattläuse hinterlassen Honigtau in großen Mengen und verursachen Blattrollungen; Zikaden erzeugen eher flächige Blattverfärbungen
- Exuvien: Die weißen Häutungsreste der Zikaden auf der Blattunterseite sind charakteristisch und fehlen bei Blattläusen
- Bekämpfung: Blattläuse lassen sich leichter bekämpfen; Zikaden sind durch ihre Mobilität resistenter gegen viele Maßnahmen
Häufige Fragen zu Zikaden
Sind Zikaden gefährlich für Menschen oder Haustiere?
Nein. Zikaden stechen zwar Pflanzen an, sind aber für Menschen und Haustiere vollkommen harmlos. Sie übertragen keine Krankheiten auf Mensch oder Tier und verursachen keinerlei Stiche oder Bisse.
Wann ist der beste Zeitpunkt zur Bekämpfung von Zikaden?
Der beste Bekämpfungszeitpunkt ist das Nymphenstadium im Frühjahr und Frühsommer, wenn die Jungtiere noch weniger mobil sind. Regelmäßige Kontrollen ab April helfen, einen Befall frühzeitig zu erkennen. Behandlungen sollten immer abends durchgeführt werden, um Nützlinge zu schonen.
Kann man Zikaden von Blattläusen anhand des Schadenbildes unterscheiden?
Ja. Zikadenbefall zeigt sich vor allem durch eine silbrige oder gelbliche Sprenkelung der Blätter und weiße Exuvien auf der Blattunterseite. Blattlausbefall ist an klebrigem Honigtau, Rußtaupilz und dichten Kolonien auf Triebspitzen erkennbar. Bei Zikaden fehlen diese Kolonien in der Regel völlig.
Welche Pflanzen sind besonders von Zikaden gefährdet?
Besonders häufig betroffen sind Weinreben, Rosen, Erdbeeren, Bohnen, Tomaten, Kartoffeln und viele Obstgehölze. Auch Zierpflanzen wie Chrysanthemen und Astern können stark befallen werden. Buchsbäume sind spezifisch durch die Buchsbaumzikade gefährdet.
Sind chemische Insektizide gegen Zikaden wirksam?
Ja, systemische und kontaktwirksame Insektizide können Zikaden töten, jedoch sind chemische Mittel oft nicht selektiv und schädigen auch Nützlinge, Bienen und andere Insekten. In Hausgärten sollte stets auf biologische und mechanische Methoden gesetzt werden. Chemische Mittel sind in Deutschland für viele Schädlinge im Hausgarten nur eingeschränkt zugelassen.
Kann Neem im Bio-Garten eingesetzt werden?
Azadirachtin-haltige Präparate sind für den ökologischen Landbau zugelassen und gelten als biologisch abbaubar. Sie sind vergleichsweise nützlingsschonend, wenn sie abends und nicht während der Blüte ausgebracht werden. Dennoch sollten sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für präventive Maßnahmen betrachtet werden.
Fazit
Zikaden sind unterschätzte Schädlinge im Garten: Unauffällig und schnell, verursachen sie nicht nur direkte Saugschäden, sondern können durch die Übertragung von Viren und Phytoplasmen ganze Kulturen gefährden. Wer seinen Garten regelmäßig kontrolliert, natürliche Feinde fördert und bei erstem Befall konsequent handelt, kann Zikadenpopulationen in Schach halten. Biologische Mittel wie Neem und mechanische Maßnahmen wie Gelbklebefallen bieten wirksame Optionen ohne unnötige Belastung des Gartenökosystems. Gesunde, kräftige Pflanzen und eine naturnahe Gartengestaltung sind der beste langfristige Schutz.

