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Wer im Hochsommer im Garten sitzt und plötzlich ein kleines, schnell flatterndes Wesen an den Blüten entdeckt, das wie ein Kolibri in der Luft steht und Nektar saugt, der hat sehr wahrscheinlich ein Taubenschwänzchen vor sich. Dieser faszinierende Schmetterling gehört zu den beeindruckendsten Insekten, die Hobbygärtner beobachten können. Mit seinem charakteristischen Schwirrflug und der buschigen Schwanzfeder-Imitation ist das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) ein echter Blickfang – und mit der richtigen Bepflanzung kann man ihn regelmäßig in den eigenen Garten locken.
Was ist das Taubenschwänzchen?
Das Taubenschwänzchen ist kein Vogel, sondern ein Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae). Trotzdem ist es tagaktiv, was es von den meisten seiner Verwandten unterscheidet. Sein lateinischer Name Macroglossum stellatarum bedeutet übersetzt in etwa „langer Zunge der Sternmiere“ – ein Hinweis auf seinen Rüssel und eine seiner Lieblingspflanzen.
Aussehen und Erkennungsmerkmale
Das Taubenschwänzchen hat eine Flügelspannweite von 40 bis 50 Millimetern. Die Vorderflügel sind graubraun gemustert, die Hinterflügel leuchten in einem auffälligen Orange-Braun. Besonders typisch ist der buschige, schwanzartige Haarbüschel am Hinterleib, der an die Schwanzfedern einer Taube erinnert – daher der Name. Beim Schwirrflug hält der Falter seinen langen Saugrüssel in die Blütenröhren, ohne sich dabei zu setzen.
Herkunft und Verbreitung
Ursprünglich stammt das Taubenschwänzchen aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika. Jedes Jahr wandert es nach Mitteleuropa ein, wo es die wärmeren Monate verbringt. In milden Regionen Deutschlands, zum Beispiel im Rheintal oder am Bodensee, überwintern inzwischen auch einzelne Exemplare erfolgreich. Durch den Klimawandel ist das Tier häufiger und weiter nördlich anzutreffen als noch vor einigen Jahrzehnten.
Den richtigen Lebensraum im Garten schaffen
Das Taubenschwänzchen ist kein anspruchsvoller Gast, aber es hat klare Vorlieben. Wer ihm optimale Bedingungen bietet, kann den Falter von Juli bis Oktober regelmäßig beobachten. Entscheidend sind vor allem Nektar-reiche Blumen mit langen Blütenröhren, die zum langen Rüssel des Schmetterlings passen.
Die besten Nektarpflanzen für das Taubenschwänzchen
Folgende Pflanzen ziehen das Taubenschwänzchen besonders zuverlässig an:
- Sommerflieder (Buddleja davidii): Einer der absoluten Favoriten. Die langen, duftenden Blütenrispen sind für das Taubenschwänzchen ein Festmahl.
- Phlox (Phlox paniculata): Blüht im Hochsommer und liefert reichlich Nektar. Besonders attraktiv in Rosa- und Lilatönen.
- Rotes Seifenkraut (Saponaria officinalis): Eine klassische Naturpflanze, die sowohl heimische Falter als auch das Taubenschwänzchen begeistert.
- Lavendel (Lavandula angustifolia): Unverzichtbar im naturnahen Garten. Lavendel lockt das Taubenschwänzchen ebenso zuverlässig wie Hummeln und Bienen.
- Verbene (Verbena bonariensis): Die hohe, transparent wirkende Pflanze trägt von Juli bis in den Herbst kleine, lilafarbene Blütenköpfe und ist ein Magnet für Schwärmer.
- Petunia: Kübelpflanzen wie Petunien mit tiefen Blütenröhren werden regelmäßig angeflogen, vor allem auf Balkonen und Terrassen.
- Rittersporn (Delphinium): Hohe, elegante Blütenkerzen, die früh im Sommer erscheinen und das Taubenschwänzchen anlocken.
- Zimtknöterich / Wiesenknöterich (Persicaria): Robust und bienenfreundlich, bietet auch dem Taubenschwänzchen gute Nektarquellen.
Wichtig ist eine gestaffelte Blütezeit: Je länger Ihr Garten von Frühsommer bis Herbst blüht, desto häufiger werden Taubenschwänzchen vorbeischauen.
Sonnige Standorte bevorzugt
Das Taubenschwänzchen liebt Wärme. Es fliegt bevorzugt an windgeschützten, vollsonnigen Plätzen. Platzieren Sie Ihre Nektarpflanzen daher an südlich ausgerichteten Beeten, an Hauswänden oder in geschützten Gartenecken. Südfassaden mit Kletterrosen oder Geißblatt sind besonders attraktiv.
Raupen und Wirtspflanzen: So unterstützen Sie die Fortpflanzung
Wer nicht nur den Falter beobachten, sondern auch zur Fortpflanzung beitragen möchte, sollte auch an die Raupen denken. Das Taubenschwänzchen legt seine Eier bevorzugt an Labkraut-Arten ab.
Labkraut als Raupennahrung
Die wichtigste Wirtspflanze für die Raupen des Taubenschwänzchens ist das Echte Labkraut (Galium verum), aber auch andere Labkraut-Arten wie Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) werden akzeptiert. Ein kleines, ungepflegtes Ecke im Garten oder eine Wildblumenwiese mit Labkraut kann dazu beitragen, dass das Taubenschwänzchen auch vor Ort brütet. Die grünen Raupen mit einem gelben Seitenstreifen und dem charakteristischen Schwärmer-Horn am Hinterende sind gut getarnt und werden oft übersehen.
Taubenschwänzchen beobachten: Tipps für Hobbygärtner
Die Beobachtung des Taubenschwänzchens ist ein besonderes Erlebnis, denn der Falter ist sehr schnell und hält sich nie lange an einem Ort auf. Mit etwas Geduld und den richtigen Bedingungen gelingt es aber, ihn aus nächster Nähe zu beobachten.
- Beste Beobachtungszeit: Juli bis Oktober, besonders an warmen, sonnigen Tagen zwischen 10 und 17 Uhr.
- Beste Beobachtungsorte: Direkt an den bevorzugten Nektarpflanzen, besonders an Sommerflieder, Phlox und Lavendel.
- Ruhe bewahren: Das Taubenschwänzchen ist zwar nicht besonders scheu, flieht aber bei ruckartigen Bewegungen. Ruhig abwarten lohnt sich.
- Kamera bereithalten: Für Fotos empfiehlt sich eine schnelle Kamera oder ein Smartphone mit gutem Autofokus, da der Falter sehr schnell fliegt.
- Auf Schwirrgeräusche achten: Das charakteristische Surren der Flügel ist oft zu hören, bevor man den Falter sieht.
Taubenschwänzchen im Wandel: Klimawandel und neue Chancen
Der Klimawandel verändert das Verbreitungsgebiet des Taubenschwänzchens spürbar. Während es früher fast ausschließlich ein Wanderfalter war, der Deutschland im Sommer besuchte, gelingt inzwischen in wärmeren Regionen auch die Überwinterung. Damit könnte das Taubenschwänzchen mittelfristig zu einem dauerhaften Gartenbewohner in Teilen Deutschlands werden. Hobbygärtner können dazu beitragen, indem sie geeignete Lebensräume schaffen und auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, die den Falter und seine Raupen gefährden würden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist das Taubenschwänzchen wirklich ein Schmetterling und kein Vogel?
Ja, das Taubenschwänzchen ist ein Schmetterling aus der Familie der Schwärmer. Trotz seines vogelähnlichen Schwirrflugs handelt es sich um ein Insekt. Die Verwechslung mit einem Kolibri ist aufgrund des Flugverhaltens und der Körpergröße sehr häufig, besonders bei Menschen, die den Falter zum ersten Mal sehen.
Wann und wo kann man das Taubenschwänzchen am besten beobachten?
Die beste Beobachtungszeit ist von Juli bis Oktober, an warmen und sonnigen Tagen. Das Taubenschwänzchen ist tagaktiv und besucht bevorzugt blühende Gärten mit Sommerflieder, Phlox, Lavendel und Verbene. Süddeutschland, der Rheingraben und die Weinbauregionen sind besonders gute Beobachtungsgebiete, aber der Falter kommt mittlerweile in ganz Deutschland vor.
Welche Pflanzen locken das Taubenschwänzchen zuverlässig in den Garten?
Am zuverlässigsten locken Sommerflieder, Phlox, Lavendel, Verbene und Petunien das Taubenschwänzchen an. Entscheidend sind lange Blütenröhren, die zum Saugrüssel des Falters passen, sowie ein sonniger und windgeschützter Standort. Eine Kombination verschiedener Pflanzen mit gestaffelter Blütezeit verlängert die Beobachtungsperiode.
Kann das Taubenschwänzchen in Deutschland überwintern?
In milden Wintern und in wärmebegünstigten Regionen Deutschlands ist eine Überwinterung inzwischen möglich. Der Klimawandel begünstigt dies. Dennoch ist der Großteil der in Deutschland beobachteten Taubenschwänzchen noch immer Wandertiere, die aus dem Mittelmeerraum einwandern. Gärten mit Winterquartieren wie Schuppen, Gartenhäuschen oder dichten Hecken können als Überwinterungsplätze dienen.
Ist das Taubenschwänzchen gefährdet?
Das Taubenschwänzchen gilt derzeit nicht als gefährdet und wird auf keiner Roten Liste geführt. Dennoch profitiert es von naturnahen Gärten, dem Verzicht auf Pestizide und dem Anpflanzen geeigneter Nektar- und Wirtspflanzen. Jeder Garten, der dem Falter Lebensraum und Nahrung bietet, leistet einen wertvollen Beitrag zum Insektenschutz.
Wie schnell ist das Taubenschwänzchen und wie lange kann es schweben?
Das Taubenschwänzchen schlägt seine Flügel mit einer Frequenz von etwa 70 bis 80 Schlägen pro Sekunde und kann dabei in der Luft stehen bleiben, vorwärts, rückwärts und seitwärts fliegen. Es erreicht dabei Fluggeschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Diese außergewöhnlichen Flugleistungen ermöglichen ihm, Blüte für Blüte präzise anzufliegen, ohne sich zu setzen.
Welche Rolle spielt das Labkraut für das Taubenschwänzchen?
Labkraut-Arten, vor allem das Echte Labkraut (Galium verum), sind die wichtigsten Wirtspflanzen für die Raupen des Taubenschwänzchens. Die Falter legen ihre Eier bevorzugt an diesen Pflanzen ab. Wer eine naturnahe Ecke mit Labkraut im Garten duldet, fördert aktiv die Fortpflanzung des Falters und trägt dazu bei, dass sich das Taubenschwänzchen auch lokal vermehren kann.
Fazit: Das Taubenschwänzchen – ein Wunder der Natur im eigenen Garten
Das Taubenschwänzchen ist eines der faszinierendsten Insekten, die man im deutschen Garten beobachten kann. Mit seinem kolibriartigen Schwirrflug, den präzisen Blütenbesuchen und seinem charakteristischen Aussehen ist es jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn dieser kleine Schwärmer auftaucht. Das Beste daran: Hobbygärtner können aktiv dazu beitragen, das Taubenschwänzchen anzulocken und zu fördern.
Pflanzen Sie Sommerflieder, Phlox, Lavendel und Verbene an sonnigen Standorten, dulden Sie eine kleine Ecke mit Labkraut und verzichten Sie auf Pestizide. Schon diese einfachen Maßnahmen können dazu führen, dass Sie den faszinierenden Kolibrifalter regelmäßig in Ihrem Garten beobachten können. Ein naturnaher Garten ist nicht nur für das Taubenschwänzchen attraktiv, sondern auch für viele andere Insekten, Vögel und Kleintiere – und damit für die gesamte Biodiversität in Ihrer Nachbarschaft.
Halten Sie in den Sommertagen Ausschau nach dem charakteristischen Schwirrgeräusch und den orangefarbenen Hinterflügeln – und freuen Sie sich auf einen der beeindruckendsten Gäste, den die Natur Ihren Garten bescheren kann.

