Einleitung: Die gefährlichste Kartoffelkrankheit im Garten
Kaum eine Pflanzenkrankheit bereitet Hobbygärtnern so viel Kopfzerbrechen wie die Krautfäule und Knollenfäule der Kartoffel. Was in wenigen Tagen als kleiner brauner Fleck auf einem Blatt beginnt, kann innerhalb von ein bis zwei Wochen einen ganzen Kartoffelacker vernichten. Die Krautfäule gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Pflanzenkrankheiten weltweit – und ihr Erreger ist auch im Hausgarten ein ernstzunehmender Gegner. Wer seinen Kartoffelanbau schützen möchte, sollte die Krankheit kennen, frühzeitig erkennen und die richtigen Gegenmaßnahmen treffen.
Was ist Krautfäule? Der Erreger Phytophthora infestans
Die Krautfäule der Kartoffel wird durch den Schaderreger Phytophthora infestans verursacht. Obwohl er landläufig als „Pilz“ bezeichnet wird, gehört Phytophthora infestans botanisch zu den Oomyceten – einer Gruppe von Schimmelpilz-ähnlichen Organismen, die näher mit Algen als mit echten Pilzen verwandt sind. Diese Unterscheidung ist für die Bekämpfung relevant, denn viele klassische Fungizide wirken gegen Oomyceten nur eingeschränkt.
Phytophthora infestans ist der Erreger, der im 19. Jahrhundert die berühmte irische Hungersnot auslöste und Millionen Menschen das Leben kostete. Auch heute noch ist er in Europa allgegenwärtig und besonders in feuchten, warmen Sommern eine ernste Bedrohung für den Kartoffelanbau – im Garten wie auf dem Feld.
Symptome erkennen: So äußert sich die Krautfäule
Symptome an Blättern und Stängeln
Die ersten Anzeichen der Krautfäule zeigen sich typischerweise an den Blättern. Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Blassgrüne bis gelbliche, wassergetränkt wirkende Flecken, meist an den Blatträndern oder -spitzen
- Rasche Verbräunung der Flecken – innerhalb weniger Stunden können sich die Läsionen dunkelbraun bis schwarz verfärben
- Weißlicher, schimmelartiger Sporenrasen auf der Blattunterseite, besonders bei feuchtem Wetter sichtbar
- Befallene Blätter welken und sterben ab, Stängel werden braun und brechen leicht
- Charakteristischer, muffig-fauliger Geruch bei starkem Befall
Die Ausbreitung auf dem Blatt ist rasant: Innerhalb von 24 bis 48 Stunden kann sich ein kleiner Fleck auf das gesamte Blatt ausdehnen. Bei anhaltend feuchtem Wetter ist die ganze Pflanze innerhalb weniger Tage befallen.
Symptome an den Knollen
Werden die Sporen des Erregers durch Regen in den Boden gespült, greifen sie auch die Kartoffelknollen an – man spricht dann von der Knollenfäule. Die befallenen Knollen zeigen:
- Bräunlich-rötliche, eingesunkene Flecken auf der Schale
- Im Inneren rotbraun bis dunkelbraun verfärbtes Gewebe, das unregelmäßig von außen nach innen reicht
- Das befallene Gewebe wird mit der Zeit weich und faulig und riecht unangenehm
- Sekundäre Fäulniserreger (Bakterien, andere Pilze) siedeln sich im geschädigten Gewebe an und beschleunigen den Verfall
Befallene Knollen sind für den Verzehr ungeeignet und keinesfalls als Saatkartoffeln zu verwenden – andernfalls wird die Krankheit im nächsten Jahr erneut eingeschleppt.
Ausbreitungsbedingungen: Wann ist das Risiko am höchsten?
Temperatur und Feuchtigkeit
Phytophthora infestans benötigt für seine Ausbreitung bestimmte Umweltbedingungen. Die sogenannte „Tomaten- und Kartoffelkrautfäule“ breitet sich besonders explosionsartig aus, wenn:
- Die Temperaturen zwischen 10 und 25 °C liegen, mit einem Optimum um 20 °C
- Die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 75–80 % liegt
- Blätter für mindestens 10 bis 12 Stunden durchgehend nass bleiben (durch Tau, Regen oder Bewässerung)
- Warme Tage und kühle, feuchte Nächte wechseln
In der Praxis entsprechen typische Sommer-Wetterlagen in Mitteleuropa häufig diesen Bedingungen: mäßig warme Temperaturen, regelmäßige Regenfälle und hohe Luftfeuchtigkeit in der Nacht schaffen ideale Voraussetzungen für einen Ausbruch. Die Sporenbildung erfolgt vor allem nachts und früh morgens; der Wind verbreitet die Sporen dann auf Nachbarpflanzen und –felder.
Infektionsquellen und Verbreitung
Der Erreger überwintert in erster Linie in infizierten Kartoffelknollen – sowohl in Saatgut als auch in im Boden verbliebenen Knollen. Auch Tomaten können als Wirtspflanze dienen und als Infektionsquelle im Garten fungieren. Im Frühjahr treibt aus befallenen Knollen neues, bereits infiziertes Kraut aus, das die Sporen produziert und die Infektion auf benachbarte Pflanzen überträgt.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Kartoffeln
Pflanzabstand und Standortwahl
Ein wichtiger Faktor bei der Vorbeugung ist die Luftzirkulation zwischen den Pflanzen. Beengte Verhältnisse fördern die Feuchte und damit den Befall:
- Halten Sie einen Reihenabstand von mindestens 60–70 cm ein, innerhalb der Reihe 30–40 cm zwischen den Pflanzen
- Wählen Sie einen sonnigen, luftigen Standort – meiden Sie windstille Ecken und schattige Lagen
- Häufeln Sie die Kartoffeln regelmäßig an, um die Knollen vor Sporeneinwaschung zu schützen
- Bauen Sie Kartoffeln und Tomaten nicht in unmittelbarer Nachbarschaft an – beide Kulturen sind anfällig und können sich gegenseitig infizieren
Bewässerung richtig durchführen
Die Art und der Zeitpunkt der Bewässerung haben großen Einfluss auf das Krautfäulerisiko:
- Gießen Sie immer am Morgen, damit das Laub bis zum Abend abtrocknen kann
- Verwenden Sie eine Tropfbewässerung direkt am Boden statt Beregnung von oben – nasses Laub begünstigt die Sporenkeimung
- Vermeiden Sie Staunässe im Beet
- Reduzieren Sie die Bewässerungsmenge bei anhaltend feuchter Witterung
Fruchtfolge und Bodenhygiene
Eine konsequente Fruchtfolge ist eine der effektivsten Vorbeugemaßnahmen. Bauen Sie Kartoffeln nicht häufiger als alle drei bis vier Jahre auf derselben Fläche an. Entfernen Sie nach der Ernte alle Pflanzenreste und im Boden verbliebenen Knollen sorgfältig, denn diese sind das wichtigste Überwinterungsreservoir des Erregers.
Resistente Sorten: Die beste Vorsorge beginnt beim Saatgut
Die Wahl der richtigen Kartoffelsorte ist eine der wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen. Züchter haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Sorten entwickelt, die eine erhöhte oder sogar hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Phytophthora infestans aufweisen. Empfehlenswerte resistente bzw. tolerante Sorten für den Hausgarten sind unter anderem:
- Sarpo Mira – sehr hohe Resistenz, ertragreiche Speisesorte
- Sarpo Axona – ebenfalls sehr widerstandsfähig, festkochend
- Biogold – gute Resistenz, für den ökologischen Anbau geeignet
- Blaue Anneliese – robuste alte Sorte mit guter Toleranz
- Nandina – mittelfrühe Sorte mit erhöhter Widerstandsfähigkeit
Resistente Sorten ersetzen nicht alle anderen Maßnahmen, reduzieren aber das Risiko eines schweren Befalls erheblich und machen teure oder aufwändige Behandlungen oft überflüssig.
Bekämpfung: Was tun bei akutem Befall?
Befallene Pflanzen richtig entsorgen
Sobald Sie die ersten Symptome entdecken, ist schnelles Handeln gefragt. Entfernen Sie befallene Blätter und stark infizierte Pflanzen sofort und vollständig. Wichtig: Legen Sie das befallene Material nicht auf den Kompost – die Sporen überleben dort und werden mit dem fertigen Kompost wieder in den Garten eingebracht. Entsorgen Sie befallenes Pflanzenmaterial über den Hausmüll oder verbrennen Sie es (wo erlaubt).
Kupferpräparate im Hausgarten
Kupfer gilt als eines der ältesten und bewährtesten Mittel gegen Krautfäule. Im ökologischen Landbau und im Hausgarten sind kupferhaltige Präparate (z. B. Kupferhydroxid oder Kupferoktanoat) zugelassen und wirksam, wenn sie vorbeugend oder bei den ersten Anzeichen eingesetzt werden. Wichtige Hinweise:
- Kupfer wirkt nicht kurativ – es schützt gesunde Blattflächen vor Neuinfektionen, bekämpft aber keine bestehenden Infektionen
- Behandeln Sie vorsichtshalber ab Mitte Juni oder wenn die Wetterbedingungen für die Krautfäule günstig sind
- Halten Sie die auf dem Etikett angegebene Dosierung ein – Kupfer reichert sich im Boden an
- Nach Regenfällen muss die Behandlung wiederholt werden
Chemische Fungizide
Bei starkem Befallsdruck oder wenn vorbeugende Maßnahmen nicht ausreichen, können im Hobbybereich zugelassene Fungizide eingesetzt werden. Wirkstoffe wie Mancozeb, Mandipropamid oder Propamocarb zeigen gute Wirkung gegen Phytophthora infestans. Beachten Sie dabei:
- Setzen Sie Fungizide nur als letztes Mittel ein und wechseln Sie die Wirkstoffgruppen, um Resistenzbildung zu vermeiden
- Beachten Sie die Wartezeit bis zur Ernte (auf der Packung angegeben)
- Kaufen Sie nur Mittel, die für den Einsatz im Haus- und Kleingarten zugelassen sind
- Spritzen Sie immer in den frühen Morgenstunden oder am Abend, nicht bei praller Sonne
FAQ: Häufige Fragen zur Krautfäule bei Kartoffeln
Kann ich befallene Kartoffeln noch essen?
Leicht befallene Knollen, bei denen nur kleine Flecken auf der Schale sichtbar sind und das Innere noch gesund aussieht, können nach großzügigem Wegschneiden des betroffenen Bereichs noch verarbeitet werden. Stark befallene Knollen mit ausgedehnter Braunfäule im Inneren sollten jedoch entsorgt werden. Im Zweifel gilt: Lieber wegwerfen als riskieren, krankes Material einzulagern – denn befallene Knollen können im Lager weitere gesunde Knollen infizieren.
Woran erkenne ich, ob es wirklich Krautfäule ist und nicht eine andere Krankheit?
Die Krautfäule ist an mehreren Merkmalen zu erkennen: die Kombination aus wassergetränkten, sich rasch verbräunenden Flecken auf den Blättern, dem weißen Sporenrasen auf der Blattunterseite bei feuchter Witterung und dem charakteristischen Faulgeruch macht sie recht eindeutig identifizierbar. Alternaria-Blattflecken (Dürrfleckenkrankheit) sind eher rund, konzentrisch gezeichnet und verbreiten sich langsamer. Im Zweifelsfall hilft eine Beratung beim Pflanzenschutzdienst oder ein Foto in einem Gärtnerforum.
Wie schnell breitet sich die Krautfäule aus?
Unter optimalen Bedingungen (warm, feucht, Wind) kann sich die Krautfäule extrem schnell ausbreiten. Von den ersten sichtbaren Flecken bis zur vollständigen Zerstörung aller Pflanzen auf einem Beet können unter Umständen weniger als zehn Tage vergehen. Deshalb ist tägliches Kontrollieren der Pflanzen während der Hauptsaison (Juni bis August) so wichtig.
Sind Tomaten auch von Phytophthora infestans betroffen?
Ja, Phytophthora infestans befällt neben Kartoffeln auch Tomaten und kann von einer Kulturpflanze auf die andere überspringen. Gärtnern Sie Kartoffeln und Tomaten daher niemals in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Symptome sind an Tomaten ähnlich: braune Flecken auf Blättern und Stängeln, sowie braune, harte Flecken auf den Früchten. Auch hier gelten dieselben Vorbeuge- und Bekämpfungsmaßnahmen.
Kann ich befallene Kartoffeln als Saatgut verwenden?
Nein, auf keinen Fall. Knollen, die auch nur leicht von der Knollenfäule befallen sind, enthalten Myzel oder Sporen des Erregers und werden die Krankheit im nächsten Jahr direkt aus dem Saatgut heraus in den Boden einschleppen. Verwenden Sie ausschließlich zertifiziertes, gesundes Pflanzkartoffeln von seriösen Anbietern oder aus dem Fachhandel.
Hilft Kaliumdüngung gegen Krautfäule?
Eine ausgewogene Düngung – besonders eine ausreichende Kaliumversorgung – stärkt die Zellwände der Pflanzen und kann die Widerstandsfähigkeit leicht verbessern. Kalium ist jedoch kein Wundermittel und ersetzt keine anderen Schutzmaßnahmen. Übermäßige Stickstoffgaben hingegen fördern üppiges, weiches Wachstum, das besonders anfällig für Krautfäule ist. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Kompost und maßvollem Einsatz von Stickstoff ist empfehlenswert.
Was ist der beste Zeitpunkt für eine Kupferbehandlung?
Kupferpräparate wirken vorbeugend, nicht heilend. Der beste Zeitpunkt für eine erste Behandlung ist, bevor die Krankheit ausbricht – also wenn die Wetterbedingungen für einen Befall günstig sind (warm und feucht), aber noch keine Symptome sichtbar sind. In der Praxis beginnen erfahrene Gärtner mit der Behandlung ab Mitte Juni und wiederholen sie alle sieben bis zehn Tage sowie nach jedem Regenfall.
Fazit: Konsequente Vorbeugung zahlt sich aus
Die Krautfäule und Knollenfäule der Kartoffel ist eine ernstzunehmende, aber beherrschbare Bedrohung im Hobbygarten. Wer die Krankheit kennt, die richtigen Sorten wählt, auf Standort und Bewässerung achtet, seine Pflanzen regelmäßig kontrolliert und im Zweifelsfall schnell und konsequent handelt, kann auch in schwierigen Sommern gute Kartoffelernteergebnisse erzielen.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Erkennen Sie die Symptome früh – kontrollieren Sie Ihre Pflanzen täglich in der Hauptsaison
- Wählen Sie resistente Sorten und gesundes Pflanzkartoffelgut
- Sorgen Sie für ausreichend Pflanzabstand und gute Luftzirkulation
- Gießen Sie am Morgen und meiden Sie Beregnung von oben
- Entfernen Sie befallenes Material sofort und entsorgen Sie es im Hausmüll
- Setzen Sie Kupferpräparate vorbeugend ein, wenn das Wetter es erfordert
- Halten Sie eine konsequente Fruchtfolge ein
Mit diesen Maßnahmen haben Sie die Krautfäule fest im Griff – und können sich Jahr für Jahr über eine reiche Kartoffelernte freuen.

