Igel im Garten: Lebensweise, Verhalten und wie du ihn unterstützen kannst

Igel im Garten: Lebensweise, Verhalten und wie du ihn unterstützen kannst

Steckbrief: Der Igel

Der Europäische Igel (Erinaceus europaeus) ist eines der bekanntesten Wildtiere Mitteleuropas und ein willkommener Gast in jedem Garten. Mit seinen charakteristischen Stacheln – bis zu 8.000 an der Zahl – schützt er sich vor Fressfeinden wie Fuchs, Dachs und Uhu. Trotz seines stacheligen Äußeren ist der Igel ein sanftmütiges, nachtaktives Tier, das dem Gärtner mehr nützt als schadet.

Ernährung

Igel sind Allesfresser mit einer ausgeprägten Vorliebe für tierische Kost. Ihr Speiseplan umfasst:

  • Regenwürmer, Käfer und deren Larven
  • Schnecken (auch die gefürchtete Spanische Wegschnecke)
  • Tausendfüßer, Ohrwürmer und andere Insekten
  • Gelegentlich kleine Mäuse, Eidechsen oder Vogeleier
  • In seltenen Fällen Beeren oder Fallobst

Ein ausgewachsener Igel frisst pro Nacht bis zu 70 Gramm Nahrung – eine beachtliche Menge, die ihn zu einem effektiven natürlichen Schädlingsbekämpfer macht.

Lebensweise

Igel sind Einzelgänger und nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in ihren Nestern, die sie aus Blättern, Gras und Moos bauen. Ihr Streifgebiet kann bis zu 3 Kilometer pro Nacht betragen, weshalb sie auf durchlässige Gärten ohne Zäune bis zum Boden angewiesen sind. Igel können gut schwimmen, sind jedoch schlechte Kletterer.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im April und dauert bis in den August. Nach einer Tragzeit von etwa 35 Tagen kommen 3 bis 7 Jungtiere zur Welt, die zunächst blind und taubgeboren sind. Nach rund 6 Wochen verlassen die Jungtiere das Nest. Spätgeborene Igel (Oktober/November) haben oft Schwierigkeiten, ausreichend Körperfett für den Winterschlaf anzulegen.

Der Winterschlaf des Igels

Der Winterschlaf ist die größte Überlebensaufgabe eines Igels. In dieser Phase senkt das Tier seine Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur und verlangsamt Herzschlag sowie Atmung dramatisch. Ein Igel, der vor dem Winter mindestens 500 Gramm wiegt, hat gute Chancen zu überleben.

Vorbereitung auf den Winterschlaf

Ab September beginnt der Igel intensiv zu fressen, um Fettreserven aufzubauen. Gleichzeitig sucht er nach einem geeigneten Winterquartier. Beliebt sind:

  • Laubhaufen und Komposthaufen
  • Hohlräume unter Gartenschuppen oder Terrassen
  • Dichte Hecken und Brombeergebüsche
  • Speziell aufgestellte Igelhäuser

Dauer des Winterschlafs

Der eigentliche Winterschlaf beginnt meist im Oktober oder November und endet im März oder April. Die genaue Dauer hängt von der Außentemperatur ab. Bei milden Wintern können Igel kurzzeitig aufwachen und ihre Winterquartiere wechseln – dabei verbrauchen sie wertvolle Energiereserven. Igel, die im Winter aktiv gesehen werden, benötigen möglicherweise Hilfe.

Igel im Garten schützen

Mit einfachen Maßnahmen kannst du deinen Garten igelfreundlich gestalten und diesen nützlichen Tieren das Überleben erleichtern.

Laub liegen lassen

Herbstlaub ist für Igel lebenswichtig. Räume Laubhaufen in ruhigen Ecken des Gartens nicht weg – sie dienen als Winterquartier und Unterschlupf. Wenn du im Frühjahr aufräumst, tue es behutsam und kontrolliere vorher, ob ein Igel darin schläft.

Teichrampe einbauen

Gartenteiche sind eine der häufigsten Todesfallen für Igel. Da sie zwar ins Wasser fallen, aber nicht selbstständig herausklimmen können, ertrinken viele Tiere. Eine einfache Rampe aus Drahtgeflecht, die in den Teich führt, kann Leben retten.

Keine Netze und Fallen

Erdbeerschutznetze, Laubfangnetze und engmaschige Zäune können für Igel zur tödlichen Falle werden. Igel verfangen sich darin und können sich nicht selbst befreien. Verwende stattdessen igelfreundliche Alternativen oder hebe Netze nachts auf.

Gartengeräte mit Bedacht einsetzen

Rasenmäher, Motorsensen und Heckenscheren fordern jedes Jahr zahlreiche Igelopfer. Kontrolliere vor dem Mähen das hohe Gras auf versteckte Igel. Besonders gefährdet sind schlafende Tiere bei Tageslicht.

Igel richtig füttern

Zufütterung kann in Notzeiten sinnvoll sein, sollte aber kein Ersatz für ein naturnahes Nahrungsangebot sein.

Geeignete Futtermittel

  • Spezielles Igelfutter aus dem Zoofachhandel
  • Katzen- oder Hundefeuchtfutter (ohne Fisch)
  • Gekochtes mageres Fleisch
  • Mealworms (Mehlwürmer) in kleinen Mengen

Was du niemals füttern solltest

  • Milch: Igel sind laktoseintolerant und bekommen starken Durchfall
  • Brot und Getreideflocken: schlechte Verdaulichkeit, Mangelernährung
  • Rohes Schweinefleisch: enthält potentiell gefährliche Parasiten
  • Würste und Salziges: schadet den Nieren
  • Trauben und Rosinen: können giftig wirken

Biete immer frisches Wasser an – gerade in trockenen Sommermonaten ist das wichtiger als festes Futter.

Verletzte Igel finden und helfen

Ein Igel, der tagsüber aktiv, taumelig oder offensichtlich verletzt ist, braucht sofortige Hilfe. Auch stark untergewichtige Tiere im Herbst (unter 500 Gramm) sind gefährdet. So gehst du vor:

  • Tiere mit Handschuhen aufnehmen und in eine hohe Schachtel mit Luftlöchern setzen
  • Eine Wärmflasche (nicht zu heiß, in ein Tuch gewickelt) dazulegen
  • Sofort eine Igelstation, einen Tierarzt oder das Wildtierhilfenetz kontaktieren
  • Kein Wasser einflößen – Aspirationsgefahr

Igelstationen nehmen verletzte oder untergewichtige Tiere auf, päppeln sie auf und setzen sie im Frühjahr wieder aus. Eine Liste findet sich beim BUND oder bei Pro Igel e.V.

Häufige Gefahren für Igel im Garten

  • Gartenteiche ohne Ausstiegsmöglichkeit
  • Rasenmäher und Motorsensen
  • Verbrennungen durch Lagerfeuer und Grillstellen
  • Vergiftung durch Schneckenkorn (Metaldehyd)
  • Straßenverkehr (besonders in der Paarungszeit)
  • Fallen und Netze im Garten
  • Pestizide, die das Nahrungsangebot dezimieren
  • Zu enge Zäune, die Igelwanderwege unterbrechen

Ein Igelhaus bauen

Ein selbst gebautes Igelhaus ist eine der wirksamsten Schutzmaßnahmen. Das brauchst du:

  • Unbehandelte Holzplatten (mindestens 19 mm stark)
  • Ein Eingang von etwa 12 x 12 cm (zu groß für Katzen, groß genug für Igel)
  • Innenmaß mindestens 30 x 30 cm
  • Ein Tunnel von ca. 40 cm Länge vor dem Eingang als Wärmeschutz

Stelle das Igelhaus an einer ruhigen, schattigen Stelle auf, bedecke es mit Laub und Erde und fülle es mit trockenem Laub oder Heu. Wichtig: Das Haus sollte nie während des Winterschlafs geöffnet oder bewegt werden.

FAQ: Häufige Fragen zum Igel im Garten

Darf ich einen Igel einfach aufheben?

Gesunde Igel solltest du möglichst nicht anfassen. Wenn ein Igel tagsüber apathisch, verletzt oder ein Jungtier allein ist, darfst und solltest du eingreifen. Benutze dabei Handschuhe und kontaktiere danach eine Igelstation.

Wie erkenne ich, ob ein Igel krank oder gesund ist?

Ein gesunder Igel ist nachts aktiv, läuft zielstrebig und zeigt keine Verletzungen. Warnsignale sind: Aktivität am helllichten Tag, Taumeln, Husten, Parasiten sichtbar am Fell, Maden, Apathie oder ein Gewicht unter 500 Gramm im Herbst.

Warum soll ich keine Milch für Igel hinstellen?

Igel sind wie viele Säugetiere nach dem Säuglingsalter laktoseintolerant. Milch verursacht schwere Durchfallerkrankungen, die lebensbedrohlich sein können. Biete stattdessen immer frisches Wasser an.

Wann ziehen Igel in den Winterschlaf?

Typischerweise im Oktober oder November, sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter 5 Grad sinken. Wärme Herbste können den Beginn des Winterschlafs verzögern, was problematisch sein kann, wenn die Tiere dann nicht rechtzeitig genug Fett angesetzt haben.

Kann ich einen Igel als Haustier halten?

Nein. Der Europäische Igel steht unter Artenschutz und darf in Deutschland nicht als Haustier gehalten werden. Wer einen verletzten oder verwaisten Igel aufpäppelt, muss ihn nach der Genesung freilassen oder an eine offizielle Auffangstation übergeben.

Sind Igel gefährdet?

Ja. In Deutschland ist der Igelbestand in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Hauptursachen sind Lebensraumverlust durch intensiv gepflegte Gärten, Straßenverkehr, Pestizide und der Einsatz von Schneckenkorn. Jeder igelfreundliche Garten ist ein aktiver Beitrag zum Artenschutz.

Fazit

Der Igel ist ein faszinierendes Wildtier und ein unverzichtbarer Helfer im naturnahen Garten. Mit einfachen Mitteln – einem Laubhaufen hier, einer Teichrampe dort, dem Verzicht auf Pestizide und einem artgerechten Futterangebot – kannst du deinen Garten zu einem sicheren Lebensraum für diese bedrohte Art machen. Igel brauchen keine aufwendige Pflege, sondern vor allem Raum, Ruhe und ein naturbelassenes Umfeld. Wer einmal erlebt hat, wie ein Igel abends durch den Garten schnüffelt, möchte diesen kleinen Stachelbewohner nicht mehr missen.