Erbsen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und sind aus keinem Gemüsegarten wegzudenken. Ob knackige Zuckerschoten, süße Markerbsen oder robuste Hülsenerbsen – der Anbau dieser wertvollen Hülsenfrüchte lohnt sich für jeden Hobbygärtner. Sie bereichern nicht nur den Speiseplan mit frischem, vitaminreichem Gemüse, sondern verbessern auch aktiv die Bodenqualität, da sie als Stickstoffsammler fungieren. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über das Pflanzen, Pflegen und Ernten von Erbsen wissen müssen.
Die wichtigsten Erbsensorten im Überblick
Bevor Sie mit dem Anbau beginnen, sollten Sie sich für die passende Erbsensorte entscheiden. Die Wahl hängt von Ihrem Geschmack, dem verfügbaren Platz und dem geplanten Verwendungszweck ab.
Markerbsen (Pisum sativum var. medullare)
Markerbsen sind die klassische Gartenerbse mit runzligen, zuckerreichen Samen. Sie werden hauptsächlich zum Einfrieren oder Konservieren verwendet, da die Erbsen aus den Hülsen herausgelöst und weiterverarbeitet werden. Beliebte Sorten sind ‚Kelvedon Wonder‘, ‚Hurst Green Shaft‘ und ‚Ambassador‘. Markerbsen erreichen je nach Sorte eine Wuchshöhe von 60 bis 120 cm und brauchen in der Regel eine Rankhilfe.
Zuckerschoten (Pisum sativum var. saccharatum)
Zuckerschoten, auch Kaiserschoten genannt, zeichnen sich durch ihre essbaren, zarten Hülsen aus. Sie werden unreif geerntet und können komplett gegessen werden – Hülse und Erbsen zusammen. Das macht sie besonders praktisch in der Küche. Bekannte Sorten sind ‚Oregon Sugar Pod‘, ‚Carouby de Maussane‘ und ‚Mammoth Melting Sugar‘. Sie sind eine Bereicherung für jeden Salat und für Wok-Gerichte unverzichtbar.
Palerbsen (Pisum sativum var. arvense)
Palerbsen, auch Felderbsen genannt, sind die robustesten Vertreter ihrer Art. Sie werden vor allem als Trockenerbsen für Eintöpfe und Suppen verwendet. Ihre Samen sind glatt und rund. Palerbsen sind besonders winterhart und können in milden Regionen auch als Winteraussaat verwendet werden. Sie eignen sich hervorragend als Gründüngung, um den Boden zu verbessern.
Aussaatzeit und Vorziehen von Erbsen
Der richtige Aussaatzeitpunkt ist entscheidend für eine erfolgreiche Ernte. Erbsen sind kältetolerante Pflanzen, die keine Wärme zum Keimen benötigen.
Direktaussaat im Freiland
Die klassische Erbsenaussaat erfolgt direkt ins Freiland, sobald der Boden bearbeitbar ist. Das ist in den meisten Regionen Deutschlands zwischen Mitte Februar und Mitte April möglich. Erbsen keimen bereits bei Bodentemperaturen ab 5 °C zuverlässig. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 10–15 °C. Säen Sie die Samen 3–4 cm tief in Reihen mit einem Reihenabstand von 40–60 cm. Den Abstand zwischen den einzelnen Samen halten Sie bei etwa 5–8 cm.
Vorziehen auf der Fensterbank
Wer die Saison verlängern möchte, kann Erbsen ab Ende Januar auf der Fensterbank vorziehen. Verwenden Sie dazu Anzuchttöpfe mit einem Durchmesser von mindestens 8 cm, da Erbsen empfindliche Wurzeln haben und Umtopfen nicht mögen. Setzen Sie pro Topf 2–3 Samen und pikieren Sie nicht. Nach etwa 4–6 Wochen, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist, können die vorgezogenen Pflanzen ins Freiland umziehen.
Sommeraussaat für eine Herbsternte
Eine zweite Aussaat ist von Ende Juni bis Mitte Juli möglich, um eine Herbsternte zu erzielen. Achten Sie dabei darauf, Sorten zu wählen, die mit weniger Licht auskommen und mehltauresistent sind, da Echte Mehltaupilze im Sommer verstärkt auftreten.
Standort, Boden und Rankhilfe
Erbsen stellen zwar keine übermäßig hohen Ansprüche, gedeihen aber am besten unter bestimmten Bedingungen.
Der ideale Standort
Wählen Sie einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit mindestens 6 Stunden direkter Sonneneinstrahlung täglich. Erbsen bevorzugen einen tiefgründigen, humusreichen Boden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Schwere Lehmböden sollten mit Sand und Kompost aufgelockert werden, da Erbsen auf Staunässe sehr empfindlich reagieren. Vermeiden Sie Standorte, an denen zuvor andere Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen gewachsen sind – ein Anbaupause von mindestens 4 Jahren ist sinnvoll.
Rankhilfen richtig aufstellen
Die meisten Erbsensorten sind Kletterpflanzen, die eine Rankhilfe benötigen. Stellen Sie Stäbe, Zäune oder Netze bereits bei der Aussaat auf, um die zarten Ranken nicht zu beschädigen. Für niedrige Sorten bis 60 cm genügen einfache Reisigäste oder kurze Holzstäbe. Hochwachsende Sorten bis 1,5 m brauchen stabile Netze oder Spanndrähte. Erbsen heften sich mit Ranken selbstständig an die Hilfen – Sie müssen nur dafür sorgen, dass die Struktur stabil genug ist.
Pflege und Bewässerung im Erbsenbeet
Erbsen sind pflegeleicht, wenn Sie einige grundlegende Punkte beachten.
Bewässerung
In der Keimphase und während der Blüte brauchen Erbsen gleichmäßige Feuchtigkeit. Gießen Sie regelmäßig, aber vermeiden Sie Staunässe. Morgens zu gießen ist ideal, damit das Laub bis zum Abend wieder abtrocknen kann – das beugt Pilzkrankheiten vor. In trockenen Perioden hilft eine Mulchschicht aus Stroh oder Rasenschnitt, die Bodenfeuchtigkeit zu halten.
Düngung
Als Stickstoffsammler benötigen Erbsen keine stickstoffreichen Düngemittel. Ein zu hoher Stickstoffgehalt führt zu üppigem Blattwuchs auf Kosten des Ertrags. Eine Grunddüngung mit reifem Kompost vor der Aussaat reicht in der Regel völlig aus. Kalium- und Phosphorgaben können bei mageren Böden sinnvoll sein, um die Fruchtentwicklung zu unterstützen.
Unkrautbekämpfung
Jäten Sie regelmäßig, solange die Pflanzen noch klein sind. Sobald die Erbsen gut angewachsen sind und die Ranken ausbilden, verdrängen sie Unkräuter zunehmend selbst. Hacken Sie vorsichtig, um die flachen Wurzeln nicht zu beschädigen.
Ernte – Wann und Wie?
Der Erntezeitpunkt ist entscheidend für Geschmack und Qualität. Zu lange an der Pflanze belassene Erbsen verlieren schnell ihre Süße und werden mehlig.
Erntezeitpunkt erkennen
Zuckerschoten ernten Sie, wenn die Hülsen noch flach und die Erbsen darin gerade erst sichtbar sind – das ist meist 60–70 Tage nach der Aussaat. Markerbsen sind erntebereit, wenn die Hülsen prall gefüllt sind, die Erbsen sich aber noch weich anfühlen. Das erkennen Sie, indem Sie sanft auf die Hülse drücken. Eine einfache Faustregel: Probieren Sie regelmäßig! Frische Gartenerbsen schmecken süß und zart.
Richtig ernten
Pflücken Sie Erbsen immer von unten nach oben, da die untersten Hülsen zuerst reif sind. Halten Sie den Stiel der Pflanze beim Pflücken mit der anderen Hand fest, um die zarten Ranken nicht zu beschädigen. Ernten Sie alle 2–3 Tage, denn regelmäßige Ernte regt die Pflanze zur Nachbildung weiterer Hülsen an und verlängert die Erntesaison.
Erbsen einfrieren und haltbar machen
Frische Erbsen sind nur kurz haltbar und sollten möglichst schnell verarbeitet werden. Zum Glück lassen sie sich hervorragend konservieren.
Einfrieren
Einfrieren ist die schonendste Methode, um Erbsen haltbar zu machen. Blanchieren Sie die ausgelösten Erbsen zunächst 1–2 Minuten in kochendem Salzwasser, schrecken Sie sie sofort in Eiswasser ab und lassen Sie sie gut abtropfen. Anschließend portionsweise einfrieren. So sind Erbsen bis zu 12 Monate haltbar und behalten ihre Farbe, Vitamine und ihren Geschmack. Zuckerschoten werden ebenso behandelt – Blanchierzeit 1 Minute.
Trocknen und Einwecken
Palerbsen und reife Markerbsen können auch getrocknet werden. Hängen Sie die ganzen Pflanzen zum Trocknen an einem luftigen Ort auf, bis die Hülsen rascheln. Dann die Samen auslösen und in Gläsern aufbewahren. Einwecken (Einkochen im Wasserbad) ist für grüne Erbsen weniger empfehlenswert, da Vitamine verloren gehen. Besser: tiefkühlen.
Krankheiten und Schädlinge
Erbsen können von verschiedenen Krankheiten befallen werden. Vorbeugung durch geeignete Standortwahl und Fruchtfolge ist der beste Schutz.
Echter Mehltau
Der Echte Mehltau (Erysiphe pisi) zeigt sich als weißlicher Belag auf Blättern und Stängeln, vor allem in der zweiten Anbausaison im Hochsommer. Befallene Pflanzen geschwächt und bilden weniger Früchte. Vorbeugung: Mehltauresistente Sorten wählen, für gute Luftzirkulation sorgen und morgens statt abends gießen. Bei leichtem Befall helfen Hausmittel wie verdünnte Milch (1:8 mit Wasser) oder Backpulverlösung. Stark befallene Pflanzenteile entfernen und nicht kompostieren.
Erbsenrost
Erbsenrost (Uromyces pisi) erkennt man an rostbraunen Pusteln auf der Blattunterseite und gelblichen Flecken auf der Blattoberseite. Er tritt vor allem bei feuchter, warmer Witterung auf. Auch hier helfen resistente Sorten und ein trockener Standort mit guter Durchlüftung. Befallene Blätter umgehend entfernen, um die Ausbreitung zu verhindern.
Erbsenblattlaus und Erbsenwickler
Erbsenblattläuse saugen an jungen Trieben und können Viren übertragen. Gegen starken Befall helfen Neem-Präparate oder das Abwaschen mit Wasser. Der Erbsenwickler legt seine Eier an Blüten und Hülsen ab; die Larven fressen sich in die Erbsen. Zeitige Aussaat hilft, den Hauptflug des Schmetterlings zu vermeiden.
Vorkultur und Mischkultur
Erbsen lassen sich hervorragend in ein Fruchtwechselkonzept integrieren und harmonieren mit zahlreichen Gemüsearten.
Vorkultur und Nachkultur
Dank ihrer stickstoffanreichernden Wirkung hinterlassen Erbsen einen fruchtbaren Boden für Nachkulturen. Nach der Erbsenernte eignen sich besonders stickstoffhungrige Pflanzen wie Kohl, Mangold, Spinat oder Salat als Nachkultur. Als Vorkultur vor Erbsen eignen sich Wurzelgemüse wie Möhren oder Zwiebeln. Vermeiden Sie andere Hülsenfrüchte als Vor- oder Nachkultur.
Vorteilhafte Mischkultur-Partner
Erbsen vertragen sich besonders gut mit:
- Karotten: Klassische Kombination – Karotten lockern den Boden, Erbsen liefern Stickstoff.
- Salat: Profitiert vom Stickstoff und nutzt den Schatten der Erbsenpflanzen.
- Spinat: Guter Nachbar, der ebenfalls von der Stickstoffanreicherung profitiert.
- Radieschen: Schnell wachsender Partner, der die Fläche zwischen Erbsen nutzt.
- Rettich: Hält Schädlinge auf Abstand und lockert den Boden.
Ungeeignete Nachbarn sind Zwiebeln, Knoblauch und Fenchel, die das Wachstum der Erbsen hemmen können.
FAQ: Häufige Fragen rund um Erbsen im Garten
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Erbsen auszusäen?
Der optimale Aussaatzeitpunkt für Erbsen liegt zwischen Mitte Februar und Mitte April, sobald der Boden frostfrei und bearbeitbar ist. Erbsen sind kältetolerant und keimen bereits bei 5 °C. Eine Sommeraussaat für eine Herbsternte ist bis Mitte Juli möglich. Wichtig ist, heiße Sommermonate zu meiden, da Erbsen Hitze über 25 °C schlecht vertragen und dann kaum Früchte ansetzen.
Wie hoch werden Erbsenpflanzen und welche Rankhilfe brauchen sie?
Je nach Sorte werden Erbsen zwischen 40 cm (Zwergerbsen) und 1,5 m hoch. Zwergerbsen kommen ohne Rankhilfe aus, mittelhohe und hohe Sorten benötigen Stäbe, Netze oder Reisigäste als Kletterhilfe. Die Rankhilfe sollte bereits bei der Aussaat aufgestellt werden, damit die zarten Ranken von Anfang an Halt finden.
Warum bilden meine Erbsen viele Blätter, aber kaum Hülsen?
Das ist meist ein Zeichen von zu viel Stickstoff im Boden. Erbsen als Hülsenfrucht produzieren selbst Stickstoff und brauchen keine stickstoffreiche Düngung. Zu viel Stickstoff fördert das Blattwachstum auf Kosten der Fruchtbildung. Außerdem können zu wenig Sonne, Wassermangel zur Blütezeit oder das Fehlen von Bestäubern (Bienen) die Hülsenbildung beeinträchtigen.
Können Erbsen auch im Kübel oder auf dem Balkon angebaut werden?
Ja, Erbsen lassen sich gut im Kübel kultivieren! Wählen Sie dafür Zwergerbsen oder kompakte Sorten wie ‚Little Marvel‘ oder ‚Tom Thumb‘. Der Kübel sollte mindestens 30 cm tief und 40 cm breit sein. Verwenden Sie nährstoffreiche Kübelpflanzenerde und achten Sie auf regelmäßige Bewässerung, da Kübelpflanzen schneller austrocknen als Beetpflanzen. Eine Rankhilfe aus Stäbchen oder ein kleines Netz sorgt für Halt.
Wie erkenne ich, wann Zuckerschoten erntereif sind?
Zuckerschoten sind erntereif, wenn die Hülsen noch flach und zart sind und die einzelnen Erbsen gerade erst durch die Hülse zeichnen. Die Hülse sollte sich noch weich anfühlen und leuchtend grün sein. Warten Sie nicht zu lange – sobald die Hülsen anschwellen und sich wölben, werden sie zäher und verlieren an Süße. Regelmäßiges Probieren hilft, den richtigen Zeitpunkt zu treffen.
Was tun gegen Echten Mehltau an Erbsen?
Echter Mehltau ist eine häufige Erbsenkrankheit, besonders im Hochsommer. Vorbeugend helfen mehltauresistente Sorten, gute Durchlüftung (ausreichender Pflanzabstand), morgendliches Gießen und das Vermeiden von Stickstoffüberdüngung. Bei ersten Anzeichen können Sie die betroffenen Stellen mit verdünnter Milch (1 Teil Milch, 8 Teile Wasser) oder einer Backpulverlösung besprühen. Stark befallene Blätter und Triebe sofort entfernen – nicht kompostieren!
Welche Erbsensorten eignen sich für Anfänger?
Für Einsteiger empfehlen sich robuste, ertragreiche Sorten wie ‚Hurst Green Shaft‘ (Markerbse), ‚Oregon Sugar Pod‘ (Zuckerschote) oder ‚Feltham First‘ (frühe, frosttolerante Markerbse). Diese Sorten sind unkompliziert in der Pflege, bringen gute Erträge und sind vergleichsweise resistent gegen Mehltau. Zuckerschoten sind generell einfacher zu handhaben, da kein Auslösen nötig ist.
Fazit: Erbsen – lohnender Genuss für jeden Garten
Erbsen sind eine dankbare Gemüsepflanze, die mit vergleichsweise wenig Aufwand reiche Erträge liefert. Ob Sie auf Markerbsen, Zuckerschoten oder Palerbsen setzen – der frische Geschmack direkt vom Strauch ist unvergleichlich. Wählen Sie den richtigen Aussaatzeitpunkt, bieten Sie Ihren Erbsen eine solide Rankhilfe und achten Sie auf regelmäßige Ernte – dann steht einem erfolgreichen Erbsenbeet nichts im Wege.
Als Stickstoffsammler bereichern Erbsen zusätzlich Ihren Boden und erleichtern den Anbau von Folgekulturen. Mit der richtigen Mischkultur und einem durchdachten Fruchtwechsel integrieren Sie Erbsen harmonisch in Ihren Gemüsegarten. Nutzen Sie die Ernteüberschüsse durch Einfrieren oder Trocknen – so haben Sie noch Monate nach der Ernte Freude an Ihren selbst angebauten Hülsenfrüchten.
Viel Erfolg beim Anbau Ihrer Erbsen – mögen Ihre Hülsen prall und süß werden!

