Bergfink: Aussehen, Verhalten und Infos

Bergfink: Aussehen, Verhalten und Infos

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Der Bergfink – ein farbenprächtiger Gast aus dem Norden

Wer im Herbst und Winter in deutschen Wäldern oder Gärten unterwegs ist, hat vielleicht schon einmal einen lebhaften Vogel mit auffälliger orangefarbener Brust und weißem Bürzel beobachtet. Es handelt sich um den Bergfink (Fringilla montifringilla), auch Nordfink genannt. Dieser nahe Verwandte des Buchfinken zählt zu den faszinierendsten Wintergästen Mitteleuropas – nicht zuletzt wegen seiner Fähigkeit, sich in millionenstarken Schwärmen zusammenzufinden. In diesem Artikel erfahren Sie alles über Aussehen, Verhalten, Nahrung und Lebensweise des Bergfinken.

Aussehen des Bergfinken

Der Bergfink ist ein sperlingsgroßer Singvogel mit einer Körperlänge von 14 bis 16 Zentimetern und einem Gewicht von rund 23 Gramm. Die Flügelspannweite beträgt etwa 28 Zentimeter. Beim Bergfinken fällt sofort der leuchtend orangefarbene Brustbereich auf, der ihn von anderen heimischen Finkenarten deutlich unterscheidet. Ebenfalls typisch ist der weiße Bürzel, der im Flug gut sichtbar ist.

Männchen im Prachtkleid und Schlichtkleid

Das Männchen zeigt je nach Jahreszeit ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild. Im Sommerhalbjahr trägt es ein beeindruckendes Prachtkleid: Kopf und Rücken sind glänzend blauschwarz, die Brust und die Schultern leuchten in einem satten Orange, der Bauch ist weiß, und an den Flanken befinden sich dunkle Flecken. Im Winterhalbjahr – also genau dann, wenn der Bergfink bei uns zu Gast ist – trägt das Männchen das sogenannte Schlichtkleid. Kopf, Nacken und Vorderrücken sind dann bräunlichgrau mit einer feinen Schuppenzeichnung. Das Orange bleibt jedoch erhalten und macht ihn auch im Winterkleid zu einem auffälligen Vogel.

Weibchen und Jungvögel

Das Weibchen ist das ganze Jahr über schlichter gefärbt. Es hat einen bräunlichen Kopf mit dunklen Streifen auf dem Oberkopf, einen gefleckten Rücken und eine deutlich mattere Orangefärbung an der Brust als das Männchen. Jungvögel ähneln dem Weibchen, sind aber insgesamt noch unauffälliger mit einem blassen Gelbton im Gefieder.

Verbreitung und Lebensraum

Das Brutgebiet des Bergfinken erstreckt sich über mehr als 20 Millionen Quadratkilometer – von den skandinavischen Birkenwäldern über das europäische Russland bis hin nach Sibirien und Kamtschatka. In Europa kommt er als Brutvogel in Norwegen, Schweden, Finnland und im nördlichen Russland vor. In Mitteleuropa, also auch in Deutschland, brütet der Bergfink nur in absoluten Ausnahmefällen.

Im Sommer bevorzugt der Bergfink lichte Birken-, Nadel- und Mischwälder der borealen Zone. Diese bieten ihm reichlich Insekten und geeignete Nistplätze. Im Winter hingegen sucht er Buchenwälder, Parks, Gärten und halboffene Landschaften auf – überall dort, wo er sein Lieblingsfutter findet: Bucheckern.

Zugverhalten – der ausdauerndste Zieher unter den Finken

Unter allen europäischen Finkenarten zeigt der Bergfink das ausgeprägteste Zugverhalten. Er verlässt sein Brutgebiet nach der Brutsaison vollständig und zieht in die Überwinterungsgebiete in West-, Mittel- und Südeuropa sowie nach Nordafrika. Die Weibchen und Jungvögel tendieren dabei dazu, weiter in den Süden zu ziehen als die älteren Männchen.

In Deutschland setzt der Zuzug bereits im September ein, mit einem Höhepunkt von Ende September bis Mitte Oktober. Von Oktober bis März ist der Bergfink bei uns zu beobachten. Der Frühjahrszug beginnt ab Mitte Februar und erreicht sein Maximum im März und April. Interessant: Der nächtliche Zug schützt die Vögel vor Greifvögeln und gibt ihnen tagsüber Zeit zur Nahrungssuche.

Das Auftreten in Deutschland ist stark von der Wetterlage in Nord- und Nordosteuropa sowie vom Angebot an Bucheckern abhängig. In manchen Jahren bleibt die Art fast vollständig aus, in anderen erscheint sie in enormen Mengen.

Nahrung – eine Leidenschaft für Bucheckern

Die Nahrung des Bergfinken wechselt mit den Jahreszeiten. Im Frühling und Sommer ernährt er sich hauptsächlich von Insekten, Larven, Spinnen und Würmern – proteinreiche Kost, die auch die Jungvögel im Nest versorgt. Ab dem Spätsommer kommen zunehmend Samen, Beeren und Knospen hinzu.

Im Winter ist der Bergfink ein echter Bucheckern-Spezialist. Die Früchte der Rotbuche sind seine bevorzugte Mahlzeit, und er sucht gezielt Gebiete mit einer guten Buchenmast auf. Seine Nahrung sucht er überwiegend am Boden. Dabei zeigt er bemerkenswerte Fähigkeiten: Er schaufelt frischen Pulverschnee mit dem Schnabel oder den Flügeln beiseite, um darunter liegende Bucheckern freizulegen. Bei gefrorener Schneedecke gräbt er sogar bis zu 30 Zentimeter lange Tunnel.

Am Futterhaus im Garten zeigt sich der Bergfink weniger scheu als manch anderer Fink und nimmt gerne Sonnenblumenkerne und Nüsse an. Er frisst sowohl vom Boden als auch direkt aus der Futterstation.

Verhalten und Soziales Leben

Der Bergfink ist ein ausgesprochen geselliger Vogel. Tagsüber zieht er in lockeren Verbänden durch die Landschaft auf Nahrungssuche, oft gemeinsam mit Buchfinken. Abends sammeln sich die Vögel an gemeinsamen Schlafplätzen – manchmal in Gruppen von mehreren Tausend Tieren, die dicht aneinandergedrängt die Nacht verbringen.

Innerhalb dieser Schlafgemeinschaften zeigt sich eine klare Rangordnung: Dominante ältere Männchen beanspruchen die wärmsten Plätze in der Mitte des Schwarms, während jüngere Weibchen mit den exponierten Außenpositionen vorliebnehmen müssen.

Spektakuläre Millionenschwärme

In Jahren mit besonders guter Buchenmast und Kälteeinbrüchen in Nordosteuropa kann das Phänomen der Masseneinflüge eintreten. Dann sammeln sich Schwärme von Tausenden bis Millionen Bergfinken in bestimmten Regionen. In den Wintern 1946/47 und 1951/52 wurden in der Schweiz Schlafplatzkonzentrationen von geschätzten 11 beziehungsweise 70 Millionen Vögeln registriert. Im Januar 2009 wurde in Lödersdorf in der Steiermark ein Schwarm von rund vier Millionen Tieren beobachtet. Bei solchen Massenansammlungen können unter dem Gewicht der Vögel sogar Äste abbrechen. Diese Schwärme schwärmen morgens bis zu 30 Kilometer weit in die Umgebung aus, um Nahrung zu suchen, und kehren abends wieder zu ihrem Schlafplatz zurück.

Gesang und Stimme

Als Sänger gehört der Bergfink nicht zur ersten Liga. Sein Gesang ist monoton und besteht aus aneinandergereihten, gedehnten Einzellauten, die zum Ende hin lauter werden und entfernt an den Grünfink erinnern können. Weitaus charakteristischer ist sein Ruf: ein hartes, nasales „Dschäe“ oder „Quäk“, das manche Menschen an das Geräusch einer Kettensäge erinnert. Wegen dieses Rufs trägt der Bergfink in manchen Regionen den Beinamen „Quäker“ oder im bayerischen Volksmund „Gegler“. Im Flug ist ein kurzes, hartes „jäk“ oder „jüp“ zu hören.

Brutverhalten

In seinem skandinavischen Brutgebiet beginnt die Paarungszeit im Mai. Das Männchen leitet die Balz ein, indem es auf einer Astgabel in zwei bis vier Metern Höhe sitzt, seinen Gesang intensiviert, die Flügel hängen lässt und sich um die eigene Achse dreht. Hat es ein Weibchen angelockt, spreizt es Kehle und Schwanzfedern und lässt erneut die Flügel hängen.

Das napfförmige Nest wird in eine Astgabel gebaut, typischerweise in Birken, Buchen, Erlen oder Nadelbäumen in etwa vier bis fünf Metern Höhe. Es besteht aus Wurzeln, Flechten und Rindenstücken und ist innen mit Federn, Moos, feinen Gräsern und Tierhaaren ausgepolstert. Anders als der Buchfink brütet der Bergfink mitunter in lockeren Kolonien.

Das Weibchen legt fünf bis sieben Eier, die hellblau mit rötlichen Flecken sind. Es bebrütet das Gelege alleine etwa 14 Tage lang. Nach dem Schlüpfen werden die Jungen von beiden Elternteilen mit Insekten, Larven und Spinnen gefüttert. Nach weiteren 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest.

Bergfink im Garten beobachten und fördern

Von Oktober bis März besteht in vielen Teilen Deutschlands die Chance, Bergfinken im Garten zu beobachten, besonders wenn in der Nähe Buchenwälder vorhanden sind. Sie gesellen sich dann gerne zu anderen Finken, Spatzen und Meisen an Futterstellen.

  • Sonnenblumenkerne und Nüsse sind die beliebtesten Futtermittel am Futterhaus.
  • Bergfinken fressen sowohl vom Boden als auch aus hängenden Futterstationen.
  • Eine Wasserschale im Garten wird dankbar angenommen – Bergfinken trinken regelmäßig und nehmen gelegentlich auch Schnee als Wasserquelle.
  • Ein naturnaher Garten mit Sträuchern und Bäumen bietet Deckung und Ruheplätze.
  • In bucheckernreichen Jahren kann es vorkommen, dass plötzlich sehr große Gruppen erscheinen – ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Schutzstatus und Bestand

Der Bergfink gilt weltweit als nicht gefährdet. Der Gesamtbestand wird auf über eine Million Individuen geschätzt und die Population gilt als stabil. In Deutschland steht er wie alle heimischen Wildvögel unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Zu den Gefahren für den Bergfink zählen Hauskatzen und Füchse, die ihn bei der Nahrungssuche am Boden überraschen können. Eine besondere Gefahr lauert auf Straßen: Bergfinken picken gerne zermalmte Bucheckern vom Asphalt auf und werden dabei mitunter von Autos erfasst. Der älteste bekannte Bergfink wurde zwölf Jahre und sieben Monate alt.

Fazit

Der Bergfink ist einer der farbenprächtigsten und faszinierendsten Wintergäste, die Deutschland zu bieten hat. Mit seiner leuchtend orangefarbenen Brust, seinem weißen Bürzel und seinem unverwechselbaren Quäk-Ruf ist er – wenn man ihn einmal kennt – leicht zu erkennen. Sein beeindruckendes Zugverhalten, die Bindung an Bucheckern und die gelegentlichen Millionenschwärme machen ihn zu einem echten Naturwunder. Wer im Winter aufmerksam durch den Wald spaziert oder den Garten beobachtet, hat gute Chancen, diesem geselligen Nordfink zu begegnen – und wird ihn so schnell nicht vergessen.

FAQ: Häufige Fragen zum Bergfink

Wann kann man den Bergfink in Deutschland beobachten?

Der Bergfink ist in Deutschland von Oktober bis März als Wintergast zu beobachten. Der Zuzug beginnt im September, der Frühjahrszug setzt Mitte Februar ein. In milden Wintern oder Jahren mit gutem Nahrungsangebot im Norden kann die Art spärlicher vertreten sein; in bucheckernreichen Jahren tritt sie dagegen in großen Mengen auf.

Wie unterscheide ich den Bergfink vom Buchfink?

Beide Arten ähneln sich in Größe und Körperbau, lassen sich aber gut unterscheiden: Der Bergfink hat eine leuchtend orangefarbene Brust und Schultern sowie einen auffälligen weißen Bürzel, der im Flug gut sichtbar ist. Beim Buchfink ist die Brust beim Männchen weinrot und beim Weibchen bräunlich-rosa; der Bürzel ist grünlich. Auch der Ruf ist verschieden: Der Bergfink ruft „Dschäe“ oder „Quäk“, während der Buchfink mit „Fink“ oder „pink“ zu hören ist.

Was frisst der Bergfink im Winter?

Im Winter ernährt sich der Bergfink vor allem von Bucheckern, den Früchten der Rotbuche. Er sucht gezielt Buchenwälder auf und kann im Schnee nach versteckten Bucheckern graben. An Futterstellen im Garten nimmt er gerne Sonnenblumenkerne und Nüsse an. Außerdem frisst er Sämereien und Getreide.

Brütet der Bergfink auch in Deutschland?

Nein, der Bergfink brütet in Deutschland so gut wie nicht. Sein Brutgebiet liegt in den Birken- und Nadelwäldern Skandinaviens sowie in Nordrussland und Sibirien. In Deutschland tritt er fast ausschließlich als Wintergast auf. Einzelne Brutfälle in Mitteleuropa sind bekannte Ausnahmen.

Warum kommen manchmal Millionen von Bergfinken nach Deutschland?

Masseneinflüge entstehen, wenn in den nördlicheren Überwinterungsgebieten Futtermangel herrscht und gleichzeitig in Teilen Deutschlands und Mitteleuropas eine besonders gute Buchenmast vorliegt. Die Vögel reagieren flexibel auf das lokale Nahrungsangebot und konzentrieren sich dort, wo reichlich Bucheckern vorhanden sind. Kälteeinbrüche in Nordosteuropa können solche Einflüge zusätzlich begünstigen. Diese Ereignisse treten nicht jährlich auf, können aber spektakuläre Ausmaße annehmen – mit Schwärmen von mehreren Millionen Tieren an einem einzigen Schlafplatz.

Kann ich den Bergfink an meiner Futterstelle anlocken?

Ja. Bergfinken kommen gerne ans Futterhaus, wenn in der Nähe Buchenwälder vorhanden sind oder der Winter besonders hart ist. Am liebsten fressen sie Sonnenblumenkerne und Nüsse, sowohl vom Boden als auch aus hängenden Futterspendern. Sie sind weniger scheu als manche anderen Finkenarten und lassen sich gut beobachten. Eine Wasserschale in der Nähe erhöht die Attraktivität Ihres Gartens für Bergfinken zusätzlich.