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Der Cardy – auch Kardone, Spanische Artischocke oder botanisch Cynara cardunculus genannt – ist eine beeindruckende Gemüsepflanze, die in deutschen Gärten noch viel zu selten zu finden ist. Dabei lohnt sich der Anbau dieser mediterranen Schönheit gleich in mehrfacher Hinsicht: Die silbrig-grünen, bis zu zwei Meter hohen Pflanzen sind ein echter Blickfang im Beet, und ihre blanchierten Blattstiele sind eine delikate Spezialität in der Küche. Wer Cardy einmal selbst angebaut hat, möchte ihn nicht mehr missen.
Was ist Cardy – und woher kommt er?
Cardy stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika, wo er seit der Antike kultiviert wird. Er ist eng verwandt mit der Artischocke und gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im Gegensatz zur Artischocke, bei der die Blütenköpfe geerntet werden, isst man beim Cardy die fleischigen, blanchierten Blattstiele und Blattrippen. Diese schmecken leicht bitter-nussig und erinnern an Artischockenherzen oder Sellerie.
In Italien (dort als „Cardo“ bekannt), Spanien und Frankreich ist der Cardy ein traditionelles Wintergemüse. In Deutschland fristet er dagegen noch ein Schattendasein – zu Unrecht, denn er ist robuster als sein Ruf und lässt sich auch in hiesigen Breiten gut kultivieren.
Standort und Bodenbedingungen
Cardy liebt Wärme und Sonne. Für einen erfolgreichen Anbau sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Sonniger Standort: Mindestens sechs Stunden direkte Sonne täglich sind ideal. Je mehr Wärme, desto besser entwickeln sich die Pflanzen.
- Windgeschütztes Plätzchen: Die hohen Pflanzen sind anfällig für starken Wind. Eine Hecke, Mauer oder ein Zaun im Hintergrund bietet willkommenen Schutz.
- Tiefgründiger, nährstoffreicher Boden: Cardy bildet ein ausgeprägtes Wurzelsystem aus. Der Boden sollte tiefgründig, humusreich und gut durchlässig sein, damit keine Staunässe entsteht.
- pH-Wert: Ein leicht alkalischer bis neutraler pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 ist optimal.
Vor dem Pflanzen empfiehlt es sich, das Beet großzügig mit gut verrottetem Kompost oder reifem Stallmist zu verbessern. Cardy ist ein Starkzehrer und braucht viel Nährstoff-Nachschub über die gesamte Vegetationsperiode.
Cardy pflanzen – Aussaat und Vorkultur
Anzucht im Haus (Vorkultur)
Da Cardy eine lange Vegetationszeit von fünf bis sechs Monaten benötigt, beginnt der Anbau in Deutschland am besten mit einer Vorkultur. Gesät wird ab Mitte März bis Anfang April:
- Samen einzeln in 10-cm-Töpfe mit Aussaaterde stecken, etwa 2 cm tief.
- Die Erde leicht anfeuchten und die Töpfe hell und warm (18–22 °C) aufstellen.
- Nach zehn bis vierzehn Tagen erscheinen die ersten Keimlinge.
- Die Jungpflanzen hellstellen und gleichmäßig feucht halten – aber nicht zu nass.
- Sobald die Pflanzen 15–20 cm hoch sind, können sie abgehärtet und ins Freie gepflanzt werden.
Auspflanzen ins Beet
Nach den Eisheiligen, also ab Mitte Mai, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind, werden die vorgezogenen Jungpflanzen ins Freilandbeet gepflanzt. Cardy braucht viel Platz: Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte mindestens 80 bis 100 cm betragen, da die Pflanzen im Sommer eine beachtliche Größe erreichen. Direkte Aussaat ins Freie ist ab Ende April möglich, wenn der Boden ausreichend erwärmt ist.
Cardy pflegen
Giessen und Düngen
Cardy verbraucht viel Wasser, vor allem in heißen Sommerperioden. Regelmäßiges und tiefes Wässern – direkt an der Wurzel, nicht über die Blätter – ist daher wichtig. Eine Mulchschicht aus Stroh oder Grasschnitt hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und die Wurzeln vor Austrocknung zu schützen.
Alle drei bis vier Wochen sollte eine Gabe mit organischem Volldünger oder verdünnter Brennnesseljauche erfolgen, um die üppige Blattentwicklung zu unterstützen. Im Hochsommer kann der Nährstoffbedarf durch eine zusätzliche Kompostgabe gedeckt werden.
Unkraut und Bodenlockerung
Besonders in der Anfangsphase, solange die Pflanzen noch klein sind, sollte das Beet regelmäßig von Unkraut freigehalten werden. Eine Mulchschicht verringert den Pflegeaufwand erheblich. Sobald die Cardypflanzen ihre volle Höhe erreicht haben, beschatten sie den Boden selbst und halten viel Unkraut in Schach.
Blanchieren – der wichtigste Schritt vor der Ernte
Um die Blattstiele zart und weniger bitter zu machen, müssen sie vor der Ernte blanchiert (etioliert) werden. Dabei werden die Blattstiele durch Lichtausschluss aufgehellt und ihre Bitterstoffe werden abgebaut. Dieser Vorgang dauert drei bis vier Wochen und wird im Herbst, etwa vier Wochen vor der gewünschten Ernte, durchgeführt.
So wird blanchiert:
- Die Blätter der Pflanze vorsichtig zusammenbinden, damit sie aufrecht stehen.
- Die gebündelten Blattstiele mit lichtundurchlässigem Material (z. B. Pappe, Zeitungspapier, schwarze Folie) umwickeln.
- Die Umhüllung mit Schnur fixieren, damit kein Licht eindringt.
- Nach drei bis vier Wochen sind die Stiele hell, zart und erntereif.
Alternativ kann man die Pflanzen auch eingraben: In wärmeren Regionen wird die gesamte Pflanze ausgegraben, in einem dunklen, frostfreien Keller gelagert und dort weiter blanchiert.
Cardy ernten
Die Ernte der blanchierten Blattstiele erfolgt im Oktober und November, kurz bevor die ersten starken Fröste einsetzen. Die äußeren, blanchierten Blattstiele werden mit einem scharfen Messer direkt an der Basis abgeschnitten. Das Herzstück der Pflanze kann für eine spätere Ernte stehen gelassen werden.
Geerntete Cardystiele sind im Kühlschrank nur wenige Tage haltbar. In der Küche werden sie wie Staudensellerie zubereitet: gedünstet, überbacken, frittiert oder als Zutat in Schmorgerichten und Suppen. Ein klassisches Rezept ist „Cardi alla parmigiana“ – überbacken mit Parmesan und Bechamelsauce.
Überwintern und Vermehren
In milden Regionen (Weinbauklima, Städte) kann Cardy mit einem dicken Mulchdeckel aus Stroh oder Laub überwintert werden. In kälteren Lagen empfiehlt es sich, die Pflanzenwurzeln vor dem ersten Frost auszugraben und frostfrei zu überwintern. Im Frühjahr werden sie wieder eingepflanzt.
Cardy lässt sich aus Samen vermehren. Wer eigene Samen gewinnen möchte, lässt einzelne Blütenköpfe ausreifen. Die blauen, distelartigen Blüten sind zudem eine Augenweide und wertvoll für Bienen und Hummeln.
Schädlinge und Krankheiten
Cardy ist relativ robust, kann aber gelegentlich von folgenden Problemen betroffen sein:
- Blattläuse: Besonders an jungen Trieben. Bekämpfung mit Seifenlösung oder Neem-Spray.
- Schnecken: Jungpflanzen schützen mit Schneckenkorn oder Kupferbändern.
- Mehltau: Bei sehr trockenen Bedingungen kann echter Mehltau auftreten. Abhilfe schafft eine gleichmäßige Wasserversorgung und gute Durchlüftung.
- Grauschimmel (Botrytis): Entsteht bei zu viel Nässe und schlechter Luftzirkulation. Befallene Pflanzenteile sofort entfernen.
FAQ: Häufige Fragen zu Cardy
Wie unterscheidet sich Cardy von der Artischocke?
Cardy und Artischocke sind eng verwandte Pflanzen der Gattung Cynara. Bei der Artischocke werden die unreifen Blütenköpfe gegessen. Beim Cardy hingegen sind die blanchierten Blattstiele und Blattrippen die Delikatesse. Cardy wächst zudem deutlich größer und buschiger als die Artischocke.
Ist Cardy winterhart?
Cardy ist bedingt winterhart: In milden Regionen überlebt er draußen mit einem guten Mulchschutz bis etwa -8 °C. In kälteren Gebieten Deutschlands sollte er jedoch ausgegraben und frostfrei überwintert werden. Alternativ kann man ihn als einjährige Kultur behandeln und jedes Jahr neu aussäen.
Wann muss ich mit dem Blanchieren beginnen?
Idealerweise beginnt man mit dem Blanchieren etwa vier Wochen vor der geplanten Ernte, also meist Anfang bis Mitte Oktober. Der Vorgang dauert drei bis vier Wochen, sodass die Ernte im November vor den ersten Frösten möglich ist.
Kann ich Cardy auch im Topf anbauen?
Aufgrund der enormen Größe (bis 2 m Höhe, breiter Wuchs) und des tiefen Wurzelsystems ist der Cardy für den Topfanbau nur bedingt geeignet. Wenn überhaupt, sind sehr große Kübel mit mindestens 60 Liter Fassungsvermögen und einer Tiefe von mindestens 50 cm nötig. Vom Balkonanbau ist eher abzuraten.
Wie schmeckt Cardy und wie bereite ich ihn zu?
Blanchierter Cardy schmeckt mild-bitter, leicht nussig und erinnert an Artischockenherzen oder Sellerie. Die Blattstiele werden zunächst von harten Fasern befreit (ähnlich wie Staudensellerie), dann in Salzwasser vorgekocht und anschließend weiterverarbeitet: als Gratin, gedünstet in Butter, in Suppen oder als Beilage. Ein Spritzer Zitronensaft verhindert die Braunfärbung beim Schneiden.
Wo bekomme ich Cardy-Samen?
Cardy-Samen sind in gut sortierten Gartenfachhandlungen, bei Spezialversandhändlern für Gemüsesamen sowie in Online-Shops erhältlich. Sorten wie „Gigante di Romagna“ oder „Tours“ sind bewährt und für den deutschen Anbau geeignet.
Fazit
Cardy ist eine faszinierende, unterschätzte Gemüsepflanze, die sowohl im Garten als auch auf dem Teller überzeugt. Mit dem richtigen Standort, ausreichend Platz, regelmäßiger Pflege und dem entscheidenden Schritt des Blanchierens lässt sich auch in Deutschland eine schmackhafte Ernte einfahren. Wer etwas Abwechslung im Gemüsegarten sucht und offen für mediterrane Raritäten ist, sollte dem Cardy unbedingt eine Chance geben. Ein bisschen Geduld und ein sonniger Platz – mehr braucht diese beeindruckende Pflanze nicht, um zu einem echten Highlight im Garten zu werden.

