Gartonia bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Fledermäuse sind faszinierende Wildtiere, die in vielen Gärten Deutschlands vorkommen und eine wichtige ökologische Rolle spielen. Als einzige flugfähigen Säugetiere sind sie seit Jahrmillionen Meister der Dämmerung und der Nacht. Doch obwohl sie so häufig in unserer Nähe leben, wissen viele Hobbygartner erstaunlich wenig über diese nützlichen Tiere. In diesem Artikel erfahren Sie alles Übersame über Fledermäuse – von ihrem Aussehen und Verhalten bis hin zu praktischen Tipps, wie Sie Ihren Garten fledermausfreundlich gestalten können.
Aussehen und Körperbau der Fledermaus
Fledermäuse gehören zur Ordnung der Chiroptera, was übersetzt so viel wie „Handflügler“ bedeutet. Dieser Name verweist auf ihren einzigartigen Körperbau: Ihre Flügel bestehen aus einer dünnen Hautmembran, der sogenannten Patagium, die sich zwischen den verlängerten Fingerknochen, dem Körper, den Hinterbeinen und oft auch dem Schwanz aufspannt. Anders als Vögel haben Fledermäuse keine Federn, sondern Fell – meist in Braun-, Grau- oder Schwarztönen.
In Deutschland gibt es rund 25 verschiedene Fledermausarten, die sich in Größe und Aussehen erheblich unterscheiden. Die kleinste heimische Art, die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), wiegt gerade einmal drei bis acht Gramm und hat eine Flügelspannweite von etwa 19 bis 25 Zentimetern. Das große Mausohr (Myotis myotis) hingegen bringt bis zu 45 Gramm auf die Waage und erreicht Flügelspannweiten von bis zu 43 Zentimetern.
Sinnesorgane und besondere Merkmale
Fledermäuse verfügen über sehr große Ohren im Verhältnis zu ihrer Körpergröße. Diese sind entscheidend für ihre Ortung per Echolot. Einige Arten, wie das Große Hufeisennasenfledermaus, besitzen zudem auffallend geformte Nasenaufsätze, die bei der Schallaussendung helfen. Ihre Augen sind zwar klein, aber keineswegs blind – das weitverbreitete Vorurteil „blind wie eine Fledermaus“ ist falsch. Fledermäuse sehen gut, verlassen sich in der Dunkelheit jedoch hauptsächlich auf ihr Echolot.
Das Echolot: Natur’s Ultraschall-System
Das Echolot, auch Biosonar genannt, ist die wohl beeindruckendste Fähigkeit der Fledermäuse. Sie stoßen über Kehlkopf oder Nase Ultraschallrufe aus, deren Frequenzen weit über dem menschlichen Hörvermögen liegen – meist zwischen 20 und 100 Kilohertz. Die Echos dieser Rufe geben ihnen präzise Informationen über Hindernisse, Beutetiere und ihre Umgebung.
Dieses System ist so präzise, dass Fledermäuse selbst winzige Insekten im Flug orten und fangen können. Manche Arten sind dabei auf bestimmte Jagdstrategien spezialisiert: Während einige Fledermäuse ihre Beute im Flug ergreifen, lesen andere Insekten direkt von der Blattoberfläche oder vom Boden auf. Das Echolot erlaubt ihnen dabei, selbst bei absoluter Dunkelheit zentimetergenau zu navigieren.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktivität und Jagdverhalten
Fledermäuse sind nachtaktive Tiere und verlassen ihre Tagquartiere in der Dämmerung. Sie jagen vorwiegend Insekten wie Mücken, Moths, Käfer und andere Fluginsekten. Eine einzige Zwergfledermaus kann in einer einzigen Nacht bis zu 3.000 Mücken und andere Insekten fressen – ein enormer Beitrag zur natürlichen Schadlingsregulierung, der auch dem Garten zugute kommt.
Die Jagdgebiete können je nach Art sehr unterschiedlich sein. Manche Arten bevorzugen offene Wasserflächen und jagen über Seen und Teichen. Andere jagen in Wäldern, an Waldrändern oder – für Gartenbesitzer besonders interessant – mitten in Siedlungsgebieten. Besonders in der Nähe von Gewässern, wo Insekten besonders zahlreich sind, sind Fledermäuse häufig anzutreffen.
Winterschlaf und Jahresrhythmus
Als Insektenfresser haben Fledermäuse in den Wintermonaten kaum Nahrungsquellen. Deshalb halten sie einen Winterschlaf, der je nach Art und Witterung von Oktober oder November bis März oder April dauern kann. Während des Winterschlafs senken sie ihre Körpertemperatur auf nahezu Umgebungstemperatur, ihr Herzschlag verlangsamt sich drastisch und ihr Stoffwechsel läuft auf Sparflamme.
Als Winterquartiere nutzen Fledermäuse Orte mit stabiler, frost- und zugluftfreier Temperatur: Höhlen, Stollen, alte Keller oder rissige Gemauerbauten. Im Frühjahr erwachen sie wieder und beginnen mit dem Aufbau ihrer Sommerkolonien. Die Weibchen finden sich dann in sogenannten Wochenstuben zusammen, um gemeinsam ihre Jungen aufzuziehen.
Fortpflanzung und Aufzucht der Jungtiere
Fledermäuse bringen überwiegend nur ein Jungtier pro Jahr zur Welt, was sie sehr anfällig gegenüber Bestandseinbrüchen macht. Die Jungtiere kommen nackt und blind zur Welt und sind zunächst vollständig auf die Muttermilch angewiesen. Nach etwa vier bis sechs Wochen können sie selbständig fliegen und jagen. Fledermäuse können im Vergleich zu anderen Säugetieren ihrer Größe sehr alt werden – manche Arten erreichen ein Alter von 20 bis 30 Jahren.
Fledermäuse als nützliche Gartenbewohner
Für Hobbygartner sind Fledermäuse wahre Verbündete. Ihr enormer Insektenhunger macht sie zu natürlichen Schadlingsvertilgern, die ganz ohne Pestizide für eine gesunde Balance im Garten sorgen. Eine einzige Fledermauskolonie kann in einer Sommernacht Tausende von Insekten fressen – darunter viele, die für Pflanzen oder Menschen lästig sind.
Wer Fledermäuse in seinen Garten locken möchte, sollte einige Grundvoraussetzungen schaffen: Einheimische, nektarreiche Blühpflanzen ziehen Insekten an, die wiederum Fledermäuse locken. Ein kleiner Teich oder eine Wasserstelle erhöht die Attraktivität des Gartens zusätzlich. Besonders wertvoll sind auch alte Bäume mit Baumhöhlen, die als natürliche Quartiere dienen können.
Fledermauskästen aufhängen
Da natürliche Quartiere immer seltener werden, sind künstliche Fledermauskästen eine wichtige Unterstützungsmaßnahme. Diese werden ähnlich wie Vogelkästen an Bäumen oder Hauswanden befestigt, haben aber eine schmale Einflugspöffnung an der Unterseite. Der Kasten sollte an einem sonnigen, windgeschützten Platz in mindestens drei bis vier Metern Höhe hängen. Am besten geeignet sind Süd- bis Westausrichtungen, da die Wärme die Tiere bei der Aufzucht der Jungtiere unterstützt.
Schutz und rechtliche Grundlagen
Alle heimischen Fledermausarten stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. Das Bundesnaturschutzgesetz sowie die europäische FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) verbieten es, Fledermäuse zu fängen, zu verletzen, zu töten oder ihre Quartiere zu beschädigen. Wer bei Renovierungsarbeiten an seinem Haus Fledermausquartiere entdeckt, ist verpflichtet, die zuständige Naturschutzbehörde zu informieren, bevor Arbeiten beginnen.
Trotzdem gehen Fledermausbestände in Deutschland zurück. Hauptursachen sind der Verlust von Nahrungsinsekten durch intensive Landwirtschaft und Pestizideinsatz, der Mangel an geeigneten Quartieren sowie die Zerstörung von Überwinterungsplätzen. Gartner können durch bewusste Entscheidungen – wie den Verzicht auf Pestizide und das Aufhängen von Fledermauskästen – aktiv zum Schutz dieser wichtigen Tiere beitragen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Fledermäuse gefährlich für Menschen?
Fledermäuse sind grundsätzlich scheu und meiden den Kontakt mit Menschen. Sie beissen nicht grundlos. Allerdings können Fledermäuse wie andere Wildtiere auch Träger von Krankheitserregern sein, darunter auch Tollwut-ähnliche Viren. In Deutschland ist das Risiko einer Tollwutübertragung durch Fledermäuse sehr gering, aber nicht null. Wer eine Fledermaus in die Hand nehmen muss (etwa um sie zu retten), sollte immer Handschuhe tragen. Bei einem Biss sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was tun, wenn ich eine verletzte oder hilflose Fledermaus finde?
Verletzte oder auf dem Boden liegende Fledermäuse brauchen sofort Hilfe. Heben Sie das Tier mit Handschuhen auf und setzen Sie es in eine belüftete, aber ausbruchsichere Schachtel. Stellen Sie ein kleines Schälchen mit Wasser bereit – das Tier ist vermutlich dehydriert. Setzen Sie sich dann mit einer Fledermaus-Schutzstation, dem NABU oder dem zuständigen Veterinamt in Verbindung. Versuchen Sie nicht, das Tier selbst mit Nahrung zu versorgen, außer es handelt sich um ein sehr junges Tier und Sie wurden ausdrücklich dazu angeleitet.
Warum fliegen Fledermäuse manchmal tagsober?
Fledermäuse, die tagsober fliegen, sind in der Regel krank, verletzt oder desorientiert. Gesunde Tiere meiden das Tageslicht, da sie dann leichte Beute für Raubtiere wären und keine Insekten finden. Eine Ausnahme bilden extrem heiße Sommertage, an denen Fledermäuse ihr Quartier verlassen müssen, weil es dort zu heiß wird. Auch Jungtiere, die ihr Quartier zum ersten Mal verlassen, zeigen manchmal ungenügende Orientierung. In jedem Fall ist ein tagaktives Exemplar ein Hinweis darauf, dass es dem Tier möglicherweise nicht gut geht.
Wie kann ich Fledermäuse in meinem Garten fördern?
Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Garten fledermausfreundlicher zu gestalten. Hängen Sie Fledermauskästen in mind. drei Meter Höhe auf, vorzugsweise Süd- bis West-exponiert. Pflanzen Sie einheimische Stauden und Sträucher, die viele Insekten anziehen, zum Beispiel Lavendel, Nachtviole, Holunder oder Brombeere. Verzichten Sie wenn möglich auf Pestizide und Herbizide, da diese die Insektenpopulation dezimieren. Lassen Sie eine Ecke des Gartens als naturbelassenen Bereich stehen: Totholz, Laubhaufen und hohe Graser bieten zusätzlichen Lebensraum für Insekten und damit indirekt auch für Fledermäuse.
Fressen Fledermäuse wirklich so viele Mücken?
Ja, tatsächlich! Studien zeigen, dass eine Zwergfledermaus pro Stunde bis zu 1.200 Insekten fressen kann. Über eine ganze Nacht hinweg entspricht das mehreren Tausend Insekten, darunter zahlreiche Mückenarten. Allerdings sollte man keine zu großen Erwartungen hegen: Fledermäuse können eine Mückenplage nicht vollständig beseitigen, aber sie tragen wesentlich zur Regulierung der Populationen bei. Besonders wertvoll ist ihr Beitrag in der Nähe von Gewässern, wo Mücken besonders häufig vorkommen.
Wo überwintern Fledermäuse und wie kann ich helfen?
Fledermäuse suchen für ihren Winterschlaf frost- und zugluftfreie Quartiere mit stabilen, kühlen Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad Celsius. Typische Winterquartiere sind Keller, Höhlen, Stollen, aber auch Holzspalten und Risse in Mauerwerk. Als Hausbesitzer können Sie helfen, indem Sie zugängliche Keller- und Dachbodenbereiche erhalten und nicht abdichten. Spezielle Winterschlaf-Fledermauskästen mit guter Wärmedammung können ebenfalls angeboten werden. Wichtig: Während des Winterschlafs dürfen Fledermäuse auf keinen Fall gestört werden, da jedes Aufwachen erhebliche Energiereserven kostet und lebensbedrohlich sein kann.
Fazit: Fledermäuse als wertvolle Gartenhelfer
Fledermäuse sind bemerkenswerte Lebewesen, die eine wichtige ökologische Funktion erfüllen und dabei völlig lautlos und unsichtbar in unseren Gärten agieren. Mit ihren einzigartigen Fähigkeiten – dem Echolot, dem nächtlichen Jagdflug und ihrer langen Lebensdauer – sind sie eine Bereicherung für jedes Gartenökosystem. Gleichzeitig sind viele Arten auf unsere Unterstützung angewiesen, da natürliche Lebensraume und Nahrungsquellen durch menschliche Einflüsse immer seltener werden.
Als Hobbygartner haben Sie viele Möglichkeiten, einen Beitrag zum Schutz dieser faszinierenden Tiere zu leisten: vom Aufhängen von Fledermauskästen über den Verzicht auf Pestizide bis hin zur Anlage insektenfreundlicher Pflanzflächen. Jede Maßnahme zählt und trägt dazu bei, dass Fledermäuse auch zukünftig als nützliche Gartenhelfer in unserer Nähe leben können. Wer einmal abends am Gartenteich sitzt und die eleganten Jagdflüge der kleinen Nachtjäger beobachtet, wird schnell verstehen, warum diese Tiere so faszinierend sind und warum es sich lohnt, sich für ihren Schutz einzusetzen.

