Wer Tomaten im Garten anbaut, kennt das Problem: Plötzlich zeigen die Blätter braune Flecken, die Früchte werden matschig, und in wenigen Tagen droht der gesamte Bestand zu kollabieren. Die Ursache ist häufig die gefürchtete Kraut- und Braunfäule – eine der zerstörerischsten Pflanzenkrankheiten im Gemüsegarten. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie die Krankheit frühzeitig erkennen, was sie von ähnlichen Erkrankungen unterscheidet, und mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Tomaten schützen können.
Was ist die Kraut- und Braunfäule?
Die Kraut- und Braunfäule wird durch den Schaderreger Phytophthora infestans verursacht. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um einen echten Pilz, sondern um einen sogenannten Oomyceten – einen pilzähnlichen Organismus, der zur Klasse der Eipilze gehört. Trotzdem wird er im Sprachgebrauch oft als Pilz bezeichnet.
Phytophthora infestans ist historisch berühmt: Er verursachte Mitte des 19. Jahrhunderts die Große Hungersnot in Irland, als er die Kartoffelernte vernichtete. An Tomaten befällt er sowohl das Kraut (Blätter und Stängel) als auch die Früchte – daher der zusammengesetzte Name „Kraut- und Braunfäule“.
Krautfäule vs. Braunfäule: Ein und derselbe Erreger
Viele Hobbygärtner fragen sich, ob Krautfäule und Braunfäule zwei verschiedene Krankheiten sind. Die Antwort: Nein. Beides wird durch Phytophthora infestans ausgelöst. Der Begriff „Krautfäule“ beschreibt den Befall an Blättern und Stängeln, während „Braunfäule“ den Befall der Früchte bezeichnet. In der Praxis treten beide Symptome oft gleichzeitig auf.
Symptome erkennen: Blätter, Stängel und Früchte
Symptome an den Blättern
Die ersten Anzeichen zeigen sich meist an den älteren, unteren Blättern. Typisch sind:
- Graugrüne, wassergetränkt wirkende Flecken, die sich schnell ausbreiten
- Braune bis schwarze nekrotische Bereiche, die eintrocknen und brüchig werden
- Auf der Blattunterseite ein weißlicher, mehlig-flockiger Sporenrasen (besonders bei feuchter Witterung sichtbar)
- Unangenehmer, muffiger Geruch des befallenen Gewebes
Symptome an Stängeln und Trieben
Stängel zeigen dunkelbraune bis schwarze, eingesunkene Flecken. Befallene Triebe knicken häufig ab oder welken schnell, weil der Erreger die Leitungsbahnen der Pflanze schädigt.
Symptome an den Früchten (Braunfäule)
An den Früchten entstehen zunächst olivgrüne bis dunkelbraune Verfärbungen, meist an der Seite oder der Schulter der Tomate. Diese breiten sich rasch aus und erfassen die gesamte Frucht. Das Fruchtfleisch wird fest, ledrig und schließlich matschig. Befallene Tomaten sind ungenießbar.
Unterschied zur Dürrfleckenkrankheit
Die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) wird von einem echten Pilz verursacht und sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Hier die wichtigsten Unterschiede:
- Fleckenform: Bei der Dürrfleckenkrankheit sind die Flecken konzentrisch gebändert (wie Jahresringe), bei der Krautfäule eher unregelmäßig und nassglänzend.
- Ausbreitungsgeschwindigkeit: Phytophthora infestans breitet sich deutlich schneller aus – oft innerhalb weniger Tage.
- Sporenrasen: Der weißliche Sporenbelag auf der Blattunterseite ist typisch für die Krautfäule, bei der Dürrfleckenkrankheit fehlt er.
- Beginn: Die Dürrfleckenkrankheit beginnt oft an den unteren, älteren Blättern und schreitet langsamer voran.
Im Zweifel empfiehlt sich eine Lupe oder eine Anfrage bei der lokalen Pflanzenschutzberatung.
Ausbreitungsbedingungen: Wann ist das Risiko am höchsten?
Phytophthora infestans liebt bestimmte Witterungsbedingungen. Das Infektionsrisiko ist besonders hoch, wenn:
- Die Temperaturen zwischen 10 und 25 °C liegen (optimal ca. 18–22 °C)
- Die Luftfeuchtigkeit über 90 % beträgt
- Die Blätter für mindestens 10–12 Stunden feucht sind
- Kühl-feuchte Sommernächte auf warme Tage folgen
Der Erreger überträgt sich über Sporen, die mit Wind, Regen und Spritzwasser verbreitet werden. Infiziertes Pflanzenmaterial aus dem Vorjahr oder benachbarte Kartoffelpflanzen (ebenfalls Wirtspflanzen) können als Quelle dienen.
Resistente Tomatensorten als erste Verteidigungslinie
Eine der effektivsten Vorbeugungsmaßnahmen ist die Wahl resistenter oder toleranter Sorten. Züchter haben in den letzten Jahren zahlreiche Sorten entwickelt, die gegenüber Phytophthora infestans deutlich robuster sind. Bewährte Beispiele:
- Phantasia – ertragreiche Cocktailtomate mit guter Krautfäuleresistenz
- Primavera – robust und aromatisch, für den Freilandanbau geeignet
- Escada – Fleischtomate mit erhöhter Toleranz
- Quadro – kompakter Wuchs, geeignet für Kübel und Beet
- Philovita – speziell für den ökologischen Anbau gezüchtet
Resistenz bedeutet dabei nicht vollständige Immunität, sondern eine deutlich verzögerte oder abgeschwächte Erkrankung. Auch resistente Sorten können bei extremem Infektionsdruck befallen werden.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Tomaten
Überdachung und Regenschutz
Tomaten stammen aus dem trockenen Hochland Südamerikas und vertragen nasse Blätter schlecht. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen ist ein Regenschutzdach aus Folie oder Glas über dem Tomatenbeet. Dadurch bleiben Blätter und Früchte trocken, was den Sporen keine Keimungsmöglichkeit bietet. Gewächshäuser und Folientunnel bieten noch besseren Schutz.
Ausreichender Pflanzabstand
Engstand fördert feuchte Bedingungen und verhindert, dass die Luft zwischen den Pflanzen zirkulieren kann. Halten Sie einen Pflanzabstand von mindestens 60–80 cm ein. Regelmäßiges Ausgeizen (Entfernen der Seitentriebe) sorgt für eine luftige Struktur der Pflanze.
Bodennahe, gezielte Bewässerung
Gießen Sie Tomaten immer von unten – am besten direkt an die Wurzeln. Tröpfchenbewässerung oder das gezielte Gießen mit einem Schlauch ohne Sprühaufsatz hält die Blätter trocken. Vermeiden Sie das Beregnen von oben, besonders am Abend, da die Pflanzen dann über Nacht nicht abtrocknen können.
Fruchtfolge und Standortwechsel
Bauen Sie Tomaten und Kartoffeln nicht mehrere Jahre hintereinander an derselben Stelle an. Eine Fruchtfolge von mindestens 3–4 Jahren reduziert das Erregerpotenzial im Boden erheblich.
Mulchen und sauberer Garten
Eine Mulchschicht aus Stroh oder Rindenmulch verhindert, dass Bodenspritzer befallene Erde auf die unteren Blätter schleudern. Entfernen Sie im Herbst alle Pflanzenreste sorgfältig und kompostieren Sie diese nur auf einem heißen Kompost oder entsorgen Sie sie über den Hausmüll – nicht auf dem normalen Kompost.
Bekämpfung: Was tun bei Befall?
Befallene Pflanzenteile sofort entfernen
Handeln Sie beim ersten Anzeichen eines Befalls sofort. Entfernen Sie alle betroffenen Blätter, Triebe und Früchte großzügig. Stecken Sie das Schnittgut in Plastiktüten und entsorgen Sie es über den Hausmüll – nicht über den Kompost. Desinfizieren Sie Ihr Schnittwerkzeug nach dem Gebrauch mit Alkohol oder einem Pflanzendesinfektionsmittel, um eine Verschleppung zu verhindern.
Kupferpräparate einsetzen
Kupfer ist seit Jahrhunderten ein bewährtes Mittel gegen Phytophthora-Arten. Im Handel sind verschiedene kupferhaltige Pflanzenschutzmittel erhältlich, beispielsweise auf Basis von Kupferhydroxid oder Kupferoktanoat. Diese wirken vorbeugend, indem sie die Keimung der Sporen auf der Blattoberfläche hemmen.
Wichtige Hinweise zur Anwendung:
- Kupferpräparate wirken nur vorbeugend oder kurativ in einem sehr frühen Stadium – sie heilen keine bereits stark befallenen Pflanzenteile.
- Beginnen Sie mit der Behandlung vorbeugend oder bei den ersten Anzeichen.
- Spritzen Sie bei trockenem Wetter, damit das Mittel antrocknen kann.
- Auch im ökologischen Landbau zugelassene Kupferpräparate sind erhältlich; achten Sie auf die Zulassung für den Hobby-Bereich.
- Kupfer reichert sich im Boden an – setzen Sie es sparsam und gezielt ein.
Biologische Stärkungsmittel
Ergänzend zu Kupferpräparaten können pflanzenstärkende Mittel auf Basis von Schachtelhalm (Ackerschachtelhalm-Extrakt), Knoblauch oder Backpulver (Natriumbicarbonat) eingesetzt werden. Diese stärken die Widerstandskraft der Pflanze, ersetzen aber keine direkten Pflanzenschutzmaßnahmen bei akutem Befall.
FAQ: Häufige Fragen zur Kraut- und Braunfäule
Kann ich Tomaten mit Braunfäule noch essen?
Leicht befallene Stellen können großzügig herausgeschnitten werden, wenn das restliche Fruchtfleisch noch fest und gesund aussieht. Stark befallene, matschige oder komplett verfärbte Früchte sollten jedoch entsorgt werden. Im Zweifelsfall gilt: lieber wegwerfen, da die Früchte keinen guten Geschmack haben und möglicherweise weitere Schadstoffe enthalten können.
Wie schnell breitet sich die Krautfäule aus?
Unter optimalen Bedingungen (warm, feucht, windstill) kann sich Phytophthora infestans innerhalb von 3–5 Tagen auf eine gesamte Pflanze ausbreiten. Bei großflächigem Anbau kann ein Bestand innerhalb von 1–2 Wochen vollständig vernichtet werden. Schnelles Handeln ist daher entscheidend.
Ist die Krautfäule ansteckend für andere Gemüsepflanzen?
Phytophthora infestans befällt hauptsächlich Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Dazu gehören neben Tomaten auch Kartoffeln, Paprika und Auberginen. Andere Gemüsepflanzen wie Salat, Möhren oder Zucchini sind nicht gefährdet.
Was mache ich mit befallenen Pflanzenresten?
Befallene Pflanzenteile gehören keinesfalls auf den Kompost, da Phytophthora-Sporen auf normalem Kompost überleben können. Entsorgen Sie das Schnittgut über den Hausmüll oder verbrennen Sie es (sofern das in Ihrer Gemeinde erlaubt ist). Auf einem heißen Kompost (über 60 °C) werden die Erreger abgetötet, aber das lässt sich im Hobbygarten kaum sicher kontrollieren.
Wie unterscheidet sich Kupferspritzmittel von Fungiziden aus dem Baumarkt?
Kupferpräparate sind anorganische Verbindungen, die sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Anbau eingesetzt werden. Synthetische Fungizide aus dem Baumarkt enthalten hingegen oft organische Wirkstoffe wie Mancozeb oder Chlorothalonil. Kupferpräparate gelten als umweltschonender, müssen aber wegen der Kupferanreicherung im Boden sparsam dosiert werden. Synthetische Fungizide können in manchen Fällen wirksamer sein, sind aber nicht für den ökologischen Anbau zugelassen.
Kann ich Krautfäule mit Hausmitteln bekämpfen?
Einige Hobbygärtner berichten von positiven Erfahrungen mit Schachtelhalm-Tee, Backpulver-Lösung oder Molke als Pflanzenstärkungsmittel. Diese Mittel können die Widerstandskraft der Pflanzen erhöhen, sind aber bei einem akuten, starken Befall keine zuverlässigen Bekämpfungsmittel. Als ergänzende Maßnahme zur Vorbeugung sind sie jedoch einen Versuch wert.
Wann ist der beste Zeitpunkt für vorbeugende Spritzungen?
Starten Sie mit vorbeugenden Maßnahmen, sobald die Tomatenpflanzen ins Freiland ausgepflanzt sind – besonders in Jahren mit kühlen, feuchten Sommern. Wetterdienste bieten inzwischen sogar spezielle Krautfäule-Warnungen an (z. B. SIMPHYT-Modell), die auf der Grundlage von Temperatur und Feuchtigkeit das Infektionsrisiko berechnen. Nutzen Sie diese Prognosen, um Spritzungen gezielt einzuplanen.
Fazit
Die Kraut- und Braunfäule ist eine ernstzunehmende Bedrohung für jeden Tomatenanbau, aber sie ist beherrschbar. Wer frühzeitig handelt, auf resistente Sorten setzt, für trockene Bedingungen sorgt und konsequent befallene Pflanzenteile entfernt, kann seinen Tomatenbestand wirksam schützen. Kupferpräparate sind ein bewährtes Hilfsmittel – aber denken Sie daran: Vorbeugung ist immer besser als Bekämpfung. Mit dem richtigen Wissen und ein bisschen Aufmerksamkeit können Sie auch in feuchten Sommern eine reiche Tomatenernte einfahren.

